Alle Mann in einem Boot

Im Rendsburger Ruderverein sind die „Dalbenkratzer“ mit einem Durchschnittsalter von 76 Jahren flotter als so manches Nachwuchs-Ruderboot. Über 200 Jahre Routine verteilt über vier schmale Holzsitze und acht Skulls, die fast lautlos ins Wasser eintauchen.

Harte Kerle schrecken auch am frühen Morgen nicht vor eisigen Temperaturen zurück. Einmal in der Woche treffen sich die „Dalbenkratzer“ am Bootshaus des Rendsburger Rudervereins. Das Bootshaus liegt direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Auf dem Kopf die Mütze in den Vereinsfarben und darunter der Ehrgeiz, sich nicht wie andere Rentner passiv zu Hause auf der Couch zu drücken.

Vier Herren in der Blüte ihres Lebens

Insgesamt zehn Mitglieder haben die Dalbenkratzer. Heute haben sie einen „Vierer“ gechartert. Es geht einmal zur Hochbrücke und zurück. Das ist ihr normales Trainingspensum. Jeden Mittwoch treffen sie sich. Im „Achter“ wird die Tour dann auch mal etwas länger. Bis zu zwölf Kilometer sind die Jungs dann unterwegs.

Die Skulls tauchen mit viel Routine ins kalte Wasser ein.

Heute hat Udo Wendt (76) das Kommando. Und wenn mal einer der Männer nicht bei der Sache ist, gibt’s auch umgehend einen Rüffel von vorne. Das Rudern auf dem Kanal hat sich im Laufe der Zeit nicht viel verändert. Nur die Schifffahrt ist stärker geworden. Mehr Schiffe, die immer größer werden.

Zeit für eine Pause mitten auf dem Wasser

Da hilft nur das vorausschauende Fahren. Unfälle gab es hier noch nicht. Inzwischen lassen es die Dalbenkratzer eher etwas ruhiger angehen. Und doch kommen sie auf gute 700 km im Jahr. Den Namen haben sie einem Steuermann zu verdanken, der einmal etwa zu nah an einem Dalben vorbei fahren wollte.

Disziplin der alten Schule herrscht im Boot

Der jüngste Dalbenkratzer ist mit gerade einmal 64 Lenzen der „Junior“ im Team. Sie alle verbindet ein einzigartiges Kameradschaftsgefühl. Wenn sie das Boot aus dem Wasser holen, trennen sich die Wege der Sportler noch lange nicht. Dann freuen sie sich auf einen Kaffee nach der gemeinsamen Dusche.

Auch nach dem Training packt jeder mit an.

Das ist dann der Zeitpunkt, wo alte Geschichten rausgeholt werden. Heinz Schmidt (75) erinnert sich gerne zurück an Szenen, mit der nicht nur er bis heute immer noch aufgezogen wird. Sei es die Irrfahrt ins Schilf oder das Kentern in der Schleuse. Eines steht fest: So lange es geht, wollen die Ruder-Senioren zusammen in einem Boot sitzen.

Über Gerrit Hoss

Gerrit Hoss

Ich bin Musiker, Autor diverser Magazine und Radio-Journalist beim NDR. Ich mag es bunt und wohl intoniert. Deshalb klingt der Norden für mich am schönsten.

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