Der norddeutsche Knigge, Kapitel 19: Wat is ’n Klönsnack?

Wat ´n echten Norddeutschen sein will, der muss auch mal ´n ordentlichen Klönsnack halten. Dat is Kommunikation auf allerhöchsten Niveau. Obendrein unterhält er vortrefflich. Un der is so einfach erledigt! Dat weiß jede Kuh! Sieht man ja.

Man lehnt sich einfach gegen den Gartenzaun un guckt wat nich auch ´n annerer gucken tut. Un wenn tatsächlich einer vorbei kommt, ruft man laut un deutlich: „Moin!“, un auch noch: “Na?“, un dazu kommt: „Wo geiht?“
`Ne bessere Einladung gibt dat nich. Der annere is geradezu verdammt zum Stehenbleiben un somit is der klassische Klönsnack eingeleitet un kann seinen genauso klassischen Lauf nehmen. Mit Deiner „Wo geiht?“- Frage wolltest Du nämlich gar nich wissen, wat bei den anneren in´n Brägen un Leib los is. Du wolltest den ja bloß für´n Klönsnack ködern. Dat hast Du Tausensassa ja prima hingekriegt. Nu geht dat also so richtig los. Fang man gerne an un frag mal, ob der annere auch schon gehört hat, dat die Frau von`n Postbüdel wat Kleines kriggt. Wenn Dein Gegenüber nu gut drauf is, reißt der tüchtig die Augen auf un ruft laut: “Nee, nä? Un dat in sie ihren Alter? Un der Postbüdel is ja auch schon inne Jahre drinne. Dat is Dir ja `nen Hecht!“
Nu stütz‘ man Deine vor den Leib verschränkten Arme auf`n Zaun ab. Jedenfalls kannst Du dat machen, wenn dat man nich grad ´n Jägerzaun is. Der piekt ja.
Un nu sagst Du lässig: „Na ja, der Postbüdel hat da ja auch nich so viel mit zu kriegen. Der war beim Briefe abliefern als das Corpus Delicti bei ihm Zuhause angeliefert wurde.“
So! Nu hast Du den anneren baff! Damit hat der nie nich gerechnet. Wenn Du nu für´n Funken Gewissen un Anstand in`n Leib hast, kannst Du nu auf keinen Fall auf`n Hacken umdrehen un „Tschüß“ sagen. Dat wäre Quälerei für den anneren un außerdem hast Du ja noch Trümpfe in Deinen Ärmel drinne. Die hüpfen da schon gierig rum un wollen raus. Mit`n büschen Glück sagt nu der annere: “Wie? Wat? Vertell!!“
Dat is die Einladung an Deine Trümpfe zum Rauskommen. Lehn Dich man von nu an lässig vor un sag: „Weißt noch? Der Postbüdel un seine Frau haben doch den Mauermann bei sich gehabt für den neuen Anbau an ihren Haus! Weißt Bescheid? Der hat gleich zwei Anbauten geliefert….!!
Der Mauermann hat anscheinend dat Prinzip „Nimm 2 bezahl 1“ bei sich eingeführt.
Meine Frau fühlt sich mit`n Mal auch so eng in unsern Haus, aber ich hab gleich gesagt, dat sie höchstens ´ne Holzhütte achter´n Haus kriegt. Der Mauermann kommt bei mir nich auf`n Hof! Meine Olle is deswegen nu zwar muksch, aber dat is mir wumpe.“
Prima! Nu sind die Asse rausgehüpft aus´n Ärmel un bei den anneren angekommen. Oha. Der will wissen, wat der Postbüdel zu dat allens sagt. Zum Glück fragt er ja Dich! Du weißt Bescheid! Zieh nu man ordentlich Luft durch die Nase ein, guck `n büschen nach links un rechts, halt die Hand vor`n Mund un flüster laut: „Pschschschscht! Der Postbote weiß da ja nix von! Dat weiß außer seiner Frau sonst nur noch dat Dorf! Sag Du dat man auch nich weiter un snack vor allem nich mit`n Postbüdel darüber! Diskretion is bei so `n Sache dat A un O!“
Un denn zwinkerst Du den anneren verschörerisch an. Er is nu ja auch ein Eingeweihten. Soll ja keiner dumm sterben. So geht Klönsnack! Weiß Bescheid? Aber nich weitersagen!

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

Eine Meinung über “Der norddeutsche Knigge, Kapitel 19: Wat is ’n Klönsnack?

  1. Dat is mol wat anners, scheun Artikel hast du mokt!!!

    Kurte Schulzke | | Antworten

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