Flohmarktfunde winken im Wind!

Wenn man sich zum Flohmarktbesuch aufmacht, verfolgt einen sofort die Qual der Wahl – und das auf Schritt und Tritt! Überall im Land sprießen an den Wochenenden die Märkte für Jäger, Sammler und Entrümpler wie Pilze aus dem Boden. Von Schnäppchen bis Schund – alles ist zu haben!

Es ist wie eine kleine Zeitreise: „Weißt Du noch? Die hatten wir damals auch Zuhause! Oder: Guck mal die Farben! Wie scheußlich! Das hatten wir mal auf dem Tisch! Dazu das bunte Geschirr! Und meine Oma war so stolz! Und in der Küche hatte sie auch Prilblumen auf den hellblauen Fliesen! Das waren noch Zeiten!“
Wahrscheinlich sind das Sätze, die in 20-30 Jahren immer noch gesagt werden. Nur ist dann eine andere Generation Gegenstand allerlei Lästereien und andere Farben werden verabscheut.
Schöne Dinge gibt es auch auf dem Flohmarkt zu sehen. Kuriose sowieso. Zum Beispiel die Goldrandtasse mit Blümchenmuster und Goldaufschrift, die dem Leser andeutet, dass hier schwarzer Kaffee inhaltlich gefragt ist.

Für die gute Tasse schwarzen, dänischen Kaffee!

Wer die Augen über die vielen Tische gleiten lässt, kann manche Entdeckung machen. Da steht doch eine echte „Ballerup-Olympic-Ideal Mixerschale. Aus Pressglas, „Made in Danmark“ ist sie. Mit Sicherheit hat sie schon viel Sahne in ihrem Bauch beherbergt und deren Verfestigung erlebt.

Pressglas „Made in Danmark“

Kuchenteige wurden sicherlich auch in ihr viele Male um die eigene Achse gedreht, bis sie sie fluffig, locker an die Backform abgeben musste. Das kann sie heute immer noch. Unverwüstlich wartet sie heute noch auf Süßes und Sahne. Und wenn gerade Backpause herrscht? Dann parken einfach mal die abgefallenen Rosenblätter in ihr. Die aus Ballerup kann eben viel! Und hübsch ist sie auch.

Nach dem Rosenblütenregen…

Da sind die Skandinavier sowieso ganz groß drin – im Entwerfen von Ästhetischem. So wie hier die kleinen Behältnisse der ursprünglich dänischen Manufaktur Holmegaard. In die kleinen passt ein Schnäpschen, in die größeren eine Blume. Oder man stellt sie einfach zusammen in die Sonne und verwahrt eine alte Murmel darin. Das ist auch schön. Diese vier wurden in ganz Norddeutschland gefunden und zusammengetragen. Ein Flohmarkt ist nun mal kein Wunschkonzert. Man nimmt was man kriegt und zwar genau dort, wo und wann man es kriegt. Basta! Flohmärkte sind in der Hinsicht kompromisslos.

Dänisches Design für Blumen oder ein Schnäpschen!

Dafür gibt es viele Überraschungen. Die alten selbst geschnitzten Holzlöffel zählen dazu. „Mein Opa hat die nach dem Krieg geschnitzt. Wir hatten ja nichts und es gab ja auch nichts zu kaufen“!
Es werden nicht nur Gegenstände verkauft. Die Erinnerungen gehen gleich mit über den Tisch. Und so mancher Fund will auch einfach mit. Er drängt sich auf. Man will ihn eigentlich nicht mit nach Hause tragen und plötzlich findet er sich im eigenen Stoffbeutel wieder. Wie von Zauberhand kam er hinein. Überzeugt hat der niedrige Preis:“Fast nichts“, lautete er. Und dann guckt man Zuhause näher hin und findet aufschlussreiche, verräterische Spuren und plötzlich wird deutlich, dass der Gegenstand einmal sehr wichtige Dienste geleistet hat. So wie die Waagschale aus Messing. Was auf ihr wohl gewogen wurde? Egal. Nun wird auf ihr balanciert. Sie hat willig die Aufgaben eines kleinen Tabletts übernommen. Genau richtig für die Tasse mit dem schwarzen Kaffee. Flohmarkt ist toll!

Holzlöffel auf der Waagschale

Flohmarktangebote umfassen alles, was der Mensch in jedweden Lebenslagen brauchen kann – oder brauchen könnte. Und wer vielleicht ein Bild ersteht, braucht hinterher einen Hammer, um einen Nagel in die Wand zu hauen, der das Bild dann tragen kann. Der Nagel wird vielleicht schief eingehauen? Dann muss auch noch eine Zange her. Der Nagel muss ja schließlich wieder raus. Kein Problem, wenn das eigene Heim bis dahin ein hammer- und zangenfreies Dasein fristete. Der Flohmarkt kann es richten. Der alte Schusterhammer liegt allerbest in der Hand. Wie viele Daumen der wohl auf dem Gewissen hat, der kleine Schelm? Ausbalanciert liegt er in der Hand und wartet auf seinen Einsatz. Auch die Zange kann in Sachen Funktionalität locker mithalten.

Wertarbeit aus alter Handwerkstradition.

Hast Du Töne? Da hat sich Musik im Apfelbaum verfangen. Einst hat sie am Sonntag den mehr oder weniger schiefen Gesang bunt zusammengewürfelter Kirchsänger und -gänger begleitet. Dabei war sie mehr oder weniger gut gestimmt. Nun ist sie in Rente. Auf dem Flohmarkt bittet sie um ein neues Zuhause. Wer kann da widerstehen? Klar kriegt sie ihr Plätzchen.

In diesem Apfelbaum steckt Musik!

Egal, ob sie nun zu 100% korrekt und ausgeprägt ihr eingeprägtes Cis von sich gibt. Sie ist schön. Sie erzählt, wenn man sie genauer anschaut und sie gibt: Flohmarktflötentöne für Zuhause. Was könnte schöner sein?

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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