Fragen Sie Frau Brunk!

Dass Hamburg schön ist, hat sich herumgesprochen. An jeder Ecke und jedem Ende wird dem Auge etwas geboten. Jährlich zieht allein der Hafen Besuchermassen an. Die können wählen, ob sie per Schiff, Bus oder Schusters Rappen auf Entdeckertour gehen wollen. Vertraut man sich Maike Brunk an, hat man gleich alles – außer der Qual der Wahl.

Besuchergruppe auf Stadtführung mit Elbinsel-Tour.

„He lücht!“, raunt mir ein Hafenarbeiter am alten Elbtunnel ins Ohr. Er sieht, dass uns erzählt wird. Und bestimmt erinnert er sich. An Zeiten, in denen Barkassenfahrer auf Hafenrundfahrt den Touristen von Bananenkrummbiegemaschinen im Fruchtterminal erzählt haben oder davon, dass Kielschweine täglich 2 X gefüttert werden müssen und vieles mehr. Tüünkraam eben. So nennt man das in Norddeutschland. Davon erzählt Maike Brunk nichts. Sie ist mehr für die Wahrheit. Das reicht. Die ist auch spannend genug.

Auf- und abwärts auf vier Rädern.

Beim alten Sankt Pauli-Elbtunnel geht es heute los. Die Fahrstühle bringen ein Auto nach dem nächsten nach oben oder unten. Höchstleitung für so ein altes, ehrwürdiges Bauwerk. Als er 1911 eröffnet wurde, dachte man eher daran Pferdefuhrwerke zu transportieren und passieren zu lassen. Ein Gespann musste nicht nur in der Breite hindurch passen. Auch die Höhe musste stimmen. Und das war der Kutscher auf dem Bock mit aufgerichteter Peitsche. Maike Brunk erzählt so lebendig, als sei sie damals dabei gewesen. Vor 8 Jahren hat sich die 41 Jahre alte Frau entschieden, ihren drögen IT-Beruf an den Nagel zu hängen und ihn gegen andere Nägel mit Köpfen einzutauschen. Besondere Stadtführungen sollten es sein. Gesagt, getan. Ihre Kombinationstouren wurden zum Erfolgsrezept: per Bus, Barkasse und zu Fuß. Zeit wird auf einmal relativ. 3 Stunden fliegen dahin wie nix! Es wartet so viel Spannendes!

Am Containerterminal Tollerort herrscht rund um die Uhr Betrieb. Das muss auch so sein. Schließlich will ein Containerriese beladen werden. 366 Meter ist die Cosco Belgium lang und 51 Meter erstreckt sie sich in die Breite. Da müssen die Containerbrücken-Fahrer fleißig sein. Der Asien-Europa-Dienst soll schließlich laufen. Maike Brunk kennt die Schiffe im Hafen. Kein Wunder. Sie scheint selbst längst ein Stück von ihm geworden zu sein.

Alt trifft neu.

Es geht weiter Richtung Hafencity – dem neuen Hamburger Stadtteil. Sie erzählt vom Aufbau der Gebäude, von dem was vorher dort war und von dem was kommt. Damit sich jeder Besucher ein genaues Bild machen kann, hat sie Fotos und Karten dabei. Immer mehr davon holt sie aus ihrer kleinen Umhängetasche. Es scheint eine wahre Wundertasche zu sein. Auf alle Fälle sind in ihr Historie und Zukunft eng vereint. Die Besucher auf Törn machen eine Zeitreise der besonderen Art: aus der Gegenwart hüpfen Sie in kurzen Abständen in der Zeit vor und zurück. Frau Brunk kennt sich eben aus.

Gucken Sie mal da!

„Was meinen Sie…?“ „Raten Sie mal…!“ „Können Sie sich vorstellen, dass…?“ So geht es in einer Tour. Maike Brunk zieht ihre Besuchergruppen in den Bann. Kleine Schätzfragen hier und Scherzfragen da. Wer da nicht genug hat, sondern sogar noch eigene Fragen auf dem Herzen trägt, darf sie gern loswerden und kann sich sicher sein: Frau Brunk weiß es! Kein Wunder. Sie lernt gern dazu. Auch während ihrer Touren hat sie immer Augen und Ohren offen. Nimmt jede Info auf. Da kommt über die Jahre einiges zusammen.

Die Fahrt geht weiter. Es geht in die Silbenecke des Hafens: do re mi fa sol la si do trifft auf RoRo. Wo Ersteres noch auf die Tonleitern wartet, steckt im Zweiten schon Musik. Allerdings verursacht durch Motoren von Autos, die als Schrott Deutschland Richtung Afrika verlassen oder neu aus Südamerika zu uns kommen. RoRo steht für Roll on – Roll off. Dieses Schiff mit Blick auf Flötentöne, die auf sich warten lassen, gehört zur Grimaldi-Reederei – eine der größten der Welt in Privatbesitz. Der Sitz ist in Italien und nicht wie man vielleicht denken könnte, in Monaco. Nicht alle, die Grimaldi heißen, sind auch zwangsläufig miteinander verwandt. Es ist da nicht anders als bei den Schmidts oder Müllers. Hauptsache ist, dass das Geschäft rollt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenden wir uns dem momentan meist diskutierten Gebäude Hamburgs zu. Maike Brunk weiß, wie hoch die Summe war, die ursprünglich für den Bau veranschlagt wurde. Sie kennt alle Details der Kostenexplosion. Nur eines, das weiß sie nicht: wie hoch die Bausumme für die Elbphilharmonie einmal wirklich sein wird. Und selbst wenn Sie es wüsste, sollte sie die Summe lieber für sich behalten – ungeachtet des Umstandes, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, wo es den Überbringern von Horror-Botschaften selbst an den Kragen ging. Augen zu und durch ist die Devise.

Die Bugwelle der Barkasse erfrischt…
Auch ruhigere Ecken wollen noch entdeckt werden. Schnell hin! Als Tidehafen kann in Hamburg nur bedingt an- und ausgelaufen werden. Selbst die Barkassen mit wenig Tiefgang können nur bei Hochwasser in die Speicherstadt fahren. Da soll es hingehen. Allerdings mit kleinem Umweg in Ecken, in die man sonst nicht so schnell kommt.

Hier „tobte“ einst das Leben.

Die entlegeneren Ecken des Hafens zeigen gern morbiden Charme. Überall tauchen alte Steganlagen auf. Sie sind Zeugen einer Zeit, in der noch nicht alle Waren per LKW durch den Hafen rollten und die Strassen verstopften. Hier scheinen die Uhren langsamer zu ticken. Eine seltsame Ruhe macht sich breit. Beruhigend irgendwie. Alte Speicherhäuser aus rotem Backstein zeigen, was Hamburg heute noch ausmacht. Auf Pfählen und mitnichten auf Sand sind die Speicher gebaut. Bei Ebbe ist das hier und da gut zu sehen. Frau Brunk wird des Erzählens anscheinend nie müde. Wie gut. So wird es dann auch nicht langweilig.

Abseits vom großen Trubel.

Nicht weit von dieser eher ruhigen Idylle entfernt, sollen Köpfe rauchen. Eine in Europa einzigartige Universität ist dort entstanden. In der HafenCity Universität beschäftigt man sich mit der Zukunft der Metropolen. Baukunst wird großgeschrieben. Ob die schon ein kleines Boot haben, mit dem sie die Stadt von der Wasserseite aus sehen und erkunden können? Hamburg hat so viele Blickwinkel. Wenn man eine Hafentour mit Maike Brunk macht, auf der unweigerlich so viele Eindrücke gewonnen werden können, wird man automatisch nachdenklich, wenn man diese Uni passiert. Alt und neu will sensibel miteinander verbunden werden. Hoffentlich gucken die nicht nur auf die Tafel. Hoffentlich gucken die auch viel aus dem Fenster. Hoffentlich erkennen sie den größeren Kontext von außen. Wünschen wir es den Metropolen dieser Welt.

Lange Nachdenken ist nicht. Der Törn geht weiter. Viel weiter, zurück in den „Trubelteil“ des Hafens. Dort liegt U-434. Es hat einen weiten Weg hinter sich. Schließlich kommt es aus der Sowjetunion. Bis 2002 stand es noch im Dienst. Nun ist es ein Museum. Ein Relikt aus einer Zeit, die man gern vergisst. Vor der Ostküste der USA war es zur Spionage eingesetzt worden. Es ist eines der letzten Exemplare der Tango-Klasse weltweit. Heute kann es besichtig werden.

Irgendwann ist die schönste Barkassenfahrt vorbei. Frau Brunk ist aber noch lange nicht fertig. „Wollen wir noch einen Schlenker machen? Da hinten könnte ich auch noch etwas erzählen. Allerdings dauert die Führung dann noch ein halbes Stündchen länger. Haben Sie noch Lust?“ Maike Brunk ist scheinbar egal, wie lange Sie mit Ihren Gästen die Stadt erkundet. Sie ist in ihrem Element. Das ist gerade das Schöne. Sie spult kein Wissen ab, legt die Route zwar ungefähr fest, weicht aber bei Bedarf auch munter ab. Bei „Elbinsel-Tour“ bucht man kein 120% festgezurrtes Programm. Man bucht Maike Brunk. Und die gibt die Freude und Begeisterung, die sie selbst empfindet, gern an ihre Gäste weiter.

„Sie wissen doch, dass Hamburg mehr Brücken hat als Venedig – oder? Gucken Sie mal. Da können Sie sehen, warum!“
So geht es die ganze Zeit. Google – Wikipedia – das war gestern. Heute ist Frau Brunk. Und die ist besser.

http://www.elbinsel-tour.de

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

2 Meinungen über “Fragen Sie Frau Brunk!

  1. Tolle Berichte,super.

    Hans-Jürgen Porsch | | Antworten
  2. Wir waren in diesem Jahr schon zwei mal mit Frau Brunk unterwegs. Sehr kompetent, sehr
    interessante Touren, sehr kurzweilig. Das war bestimmt nicht das letzte Mal. Vielen Dank.
    Birgit Rübke

    Birgit Rübke | | Antworten

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