Dreidimensionale Leidenschaft

Zeichnen und Malen gehörten schon immer zu Carl Groths Beruf. Bereits während des Architekturstudiums hat er sich intensiv mit graphischen Techniken wie Holzschnitt, Linolschnitt, Radierungen und Kohlezeichnungen beschäftigt. Im Verlauf seines Lebens hat er auf Seereisen viele Skizzen und Aquarelle angefertigt. Nun bevorzugt der Architekt im Ruhestand die abstrakte Kunst. Und die darf gern dreidimensional sein.

Dafür zersägt er Röhren, die er auf farbig gestaltete Untergründe bringt. Die reliefartigen Werke tragen hinterher so geistvolle Namen wie „Griechen am Montag vor Troja“, „Griechen vor Troja Tage später“ und „Kassandras Weissagung“. Auf den Röhrenbildern bewegen sich zunächst imaginäre Truppen aufeinander zu, nähern sich an und stehen sich schließlich als Sieger und Besiegte gegenüber. Carl Groth mag eben auch Geschichte. „Wenn man Themen in Triptychen darstellen will, braucht das Ganze ja auch einen Namen und das passt doch!“, schmunzelt er.

Nicht immer stehen martialische Begegnungen Pate für die Werke von Carl Groth. Manchmal arbeitet er auch gern mit Laubsäge, Stein und Farbe. Das gibt dann ein doppeltes Herz, das groß und klein ineinander gesteckt auf einem Stein steht. Wie bei all seinen Werken, lässt Carl Groth dem Betrachter gern eigenen Raum für Sichtweisen. Es muss auch nicht immer interpretiert werden. Manchmal sind zwei ineinander gesteckte Herzen einfach nur zwei ineinander gesteckte Herzen. Und in den Kriegen der Griechen kann der Betrachter gern ästhetisch angeordnete Röhrenbilder sehen. Hauptsache es gefällt, findet seinen Platz und schenkt Freude.

Das Doppelherz auf Stein

Großen Spaß hat Carl Groth, wenn er „pünkteln“ darf. Dann kommen auch die Korken und Stiele zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe entstehen Farb- und Formgebilde, die viel Raum für die Fantasie des Betrachters lassen oder auch nicht. Bäume sind eines seiner zentralen Themen – ob es sich nun die Eberesche Ygdrasil handelt, die den Germanen zugleich Lebensbaum und Verbindung zu Gott war oder ein geteilter Lebensbaum, der persönliches Schicksal zeigt. Manchmal „pünktelt“ Carl Groth auch, weil es der Verzierung eines Hintergrundes dient.

Wale auf Wanderschaft

Wenn Carl Groth sich künstlerisch betätigt, müssen viele Gegenstände erst einmal dran glauben. Betrachtet man seine Bilder, beschleicht einen das Gefühl als wäre er ein sehr guter Baumarktkunde. Es scheint nichts zu geben, was er nicht in Kunst zu verwandeln vermag. Weder Profilhölzer noch Sperrholz und allerhand andere Gegenstände sind vor seiner Fantasie sicher.

Ein Wal hat es schon in die Elbe geschafft!

Die weißen Rahmen seiner Bilder baut er natürlich selbst. Einige bestückt er zunächst mit einem Bild, das er dann um ein halbtransparentes Gitterwerk ergänzt, das wiederum bereits in sich ein Bild ist. Diese Gitterwerke lassen sich je nach Geschmack auf verschiedene Untergründe setzen oder gar hervorziehen. Auf die Weise kann sogar einer seiner Wale in der Elbe schwimmen – zumindest scheinbar und für eine kurzen Moment…

Der Prototyp

Wenn man sich so intensiv im Land der Kreativität bewegt, scheint die Kunst keine Grenzen zu haben. Für Carl Groth gilt das nicht ganz. Seine schwarz-rot-goldene Skulptur würde er gern als Monument sehen. Was in seiner Werkstatt aus Sperrholz steht, sollte eigentlich in Großformat einen Platz zieren. Pekuniäre Grenzen greifen hier. Aber wer weiß, vielleicht finden sich noch Spender. Daumendrücken.

Bis die Großwerke ihre Umsetzung erfahren haben, macht Carl Groth munter weiter. Mit Plexiglas und Farbtöpfen baut er halbtransparente Gitterwerke, die dem gesamten Bild je nach Blickrichtung andere Aspekte verleihen. Gefällt ein Hintergrund nicht mehr oder soll ein neuer Vordergrund her, wird eben getauscht. Was immer bleibt, ist die dreidimensionale Erscheinung. Die Ideen scheinen dem Rentner nicht auszugehen. Handwerkliche Spielereien mit deren Hilfe er seinen Schöpfertrieb befriedigt, nennt er seine Kunst. Da spricht dann wohl Bescheidenheit aus ihm.

Carl Groth verkauft seine Werke auch. Die Preise liegen zwischen 180 und 240 Euro. Seine Werkstatt hat er in der Seniorenresidenz Augustinum in Neumühlen in Hamburg.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

2 Meinungen über “Dreidimensionale Leidenschaft

  1. Hochachtung vor diesem Senior, dem es bis heute nicht an Kreativität fehlt und der auf diese Weise auch seinen Geist wach und rege hält, verbunden mit der nötigen Lust an dieser schönen, phantasievollen Kunst. Apropos Kunst, Kunst kommt von Können. Machen Sie noch lange Jahre weiter so, mein lieber Herr Groth. Es wird nicht wenige geben, die Sie darum beneiden werden. Respekt: Eine tolle Beschäftigung, die sicherlich immer wieder Spannung aufbaut, bevor ein Werk vollendet ist.

    Waldemar Paulsen | | Antworten
  2. Carl Groth, der Autor. Den kenne und schätze ich seit vielen Jahren.
    Nun kommt er auch als bildender Künstler daher. Ich bin höchst beeindruckt!
    Ich ziehe den Hut vor diesem Mann, der mir stets flott und adrett und voll von literarischen Ideen begegnet. Ein echter Gandseigneur!
    HHB

    Dr. Hans-Hermann Briese | | Antworten

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