Für die Bretter, die ein Stück plattdeutsche Welt bedeuten

Bummelig hundert Jahre ist er alt und trotzdem erscheint er frisch und jung: der Karl-Mahnke-Theaterverlag. In einem Buchladen für das Lehrerseminar in Verden an der Aller wurde die Saat gesät, aus der ein buntes Programm mit Hoch- und Niederdeutscher Theaterkultur erwachsen konnte. Heute wird der Verlag von Alexandra Schlenker geführt – mit viel Erfahrung und Sachverstand.

Ab den 1920er Jahren hat der Verlag so manch einen Meilenstein hinter sich gebracht. In diese Zeit fielen die Gründungen der Niederdeutschen Bühnenbünde. Stetig wurden neue Stücke nachgefragt, was wiederum niederdeutsche Autoren zum Schreiben anhielt. Bekannte Namen aus späteren Zeiten haben nach wie vor Klang: Ubbo Gerdes, Fritz Wempner, Konrad Hansen und viele mehr. Einen besonderen Aufschwung erfuhr die gesamte plattdeutsche Theater-Szene in den 1950er bis 70er Jahren, als viele Stücke vom Ohnsorg-Theater aufgeführt, im Fernsehen übertragen wurden und zu den Sendezeiten die Straßen leer fegten. Diese Stücke wollten viele Bühnen nachspielen – zur Freude des Verlages. Noch heute stehen die niederdeutschen Stücke im Fokus des Tagesgeschäftes. Oftmals handelt es sich um Stücke, die aus dem Englischen oder Hochdeutschen übersetzt wurden. Aber auch originär plattdeutsche Stücke werden immer wieder verlegt. Zur Freude von Alexandra Schlenker sind es immer mehr schreibende Frauen, die ihre Stücke anbieten. Früher war dieses Gebiet eher eine Männerdomäne. Viele ernste und heitere Stücke sind im Verlauf des Jahrhunderts entstanden. Auch heutzutage sind die Schenkelklopfer beliebter als das ernste Theater. Der Grund scheint einfach: Wenn zum Beispiel eine Freiwillige Feuerwehr zum fröhlichen Fest mit Theaterstück einlädt, killt schwere Kost zu leicht die gute Grundstimmung. Sie ist somit nicht immer und überall geeignet. Es sind die Niederdeutschen Bühnenbünde, die auf eine gute Mischung der Stücke-Auswahl achten. Das Archiv des Verlages hat einiges zu bieten.

Alexandra Schlenker stellt seit einiger Zeit fest, dass sich wieder öfter neue niederdeutsche Bühnen gründen. Die Spieler sind meist zwischen 20 und 40 Jahre alt. Wenn diese neuen Schauspielgruppen in die Bühnenbünde aufgenommen werden wollen, müssen sie hohe Kriterien erfüllen. Beispielsweise müssen sich die Laiendarsteller in den Bereichen Bühnengestaltung, Dramaturgie und Schauspielunterricht aus- und fortbilden lassen. Mitglied im Bühnenbund zu sein, ist eine Art der Qualitätssicherung. Erfreulich findet Alexandra Schlenker auch, dass die Nachwuchsarbeit bei den plattdeutschen Bühnen groß geschrieben wird. Viele haben bereits Kinder- und Jugendgruppen. Seit einigen Jahre gibt es sogar ein Kinder- und Jugendtheater-Festival mit stetig steigenden Besucherzahlen. Um die 200 teilnehmende Jugendliche aus den verschiedenen Bühnen laden zum Zuschauen ein.

Reihenweise Rollenbücher zieren die Regale im Verlagshaus. Das Kapital an sich sind sie aber nicht. Ein Theater-Verlag funktioniert anders als ein Buchverlag, erklärt Alexandra Schlenker. Die Rollenbüchlein werden einer Bühne angeboten. Die wiederum geht sehr kreativ und eigen mit den Inhalten um. Erst sie bringen das Produkt – die Geschichte im Stück – zum Konsumenten: den Zuschauer. Ein Buchverlag braucht diesen Umweg nicht. Die Story kommt direkt zum Leser und ist nicht durch viele kreative Hände gegangen. Der Theaterverlag verdient sein Geld auch nicht hauptsächlich durch den Verkauf der Rollenhefte, sondern den Verkauf der Aufführungsrechte. Die Bühnen kaufen sich das Recht die Stücke einzustudieren, zu präsentieren und somit den Inhalt an den Zuschauer zu verkaufen. Schwarze Schafe, die ein Stück aufführen ohne den Aufführungsvertrag anzufordern, werden leicht und schnell gefunden. Auch das ist eine Aufgabe der Verlagsfrau. Wie Alexandra Schlenker das macht, bleibt ihr Geheimnis. Eine solche Bühne hat mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Zum Glück sind diese Fälle selten, lacht Alexandra Schlenker. Die niederdeutschen Bühnen wissen eben was sich gehört!

Mehr dazu:

http://www.mahnke-verlag.de

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

Eine Meinung über “Für die Bretter, die ein Stück plattdeutsche Welt bedeuten

  1. ein guter verlag, viele bücher haben wir vom mahnke verlag gekauft , einstudiert und aufgeführt!!

    Horst Willmer | | Antworten

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