Land unter auf Hooge!

Die Sonne geht auf, die Enten schwimmen auf dem Wasser. Das sieht doch fast idyllisch aus! Oder? Wenn man bedenkt, dass dieses Foto von der Hallig Hooge stammt und gerade Ebbe ist, dann wirkt diese Idylle eher bedrohlich. Es herrscht Land unter. Alle Bewohner der Warften sind auf sich gestellt. Auch Pastor Martin Witte und seine Frau. Er hat dieses Bild heute Morgen von der Kirchwarft aus gemacht. Die Leute auf Hooge schlafen momentan wenig. Sturmtief Xaver hält sie wach.

Heute Nacht sah es anders aus. Bei Flut kann das Wasser beängstigend hoch auflaufen. Angst haben die Bewohner weniger. Angespannt sind sie. Respekt vor den Naturgewalten haben sie allemal. Wenn das Wasser wieder abgelaufen ist, gucken sie sich ihre Warften an. Ist alles heil geblieben? Es wird Bilanz gezogen. Und dann wird, wenn es geht, ausgeruht.

Foto vom 5.12.2013 von der Kirchwarft der Hallig Hooge aus.

Heute Morgen nach der Flut. Das Wasser läuft auch bei Ebbe nicht ab. Sturmtief Xaver bläst und bläst. Die Bewohner rechnen damit, dass sie erst in ungefähr zwei Tagen wieder über die Hallig gehen können. Die ersten, sehr ortskundigen, gehen bereits frühzeitig in Wathosen los, wenn das Wasser noch steht. Mit einem Stock erklopfen und ertasten sie die Straße. Das wird nur gemacht, wenn es absolut notwendig ist. Zum Beispiel, wenn jemand während der Flut krank geworden ist und Hilfe benötigt. Bei Sturm kann der Hubschrauber weder fliegen noch landen. Einen Krankenpfleger hat die Hallig. Auch er sitzt auf seiner Warft fest. Wenn das Wasser abgelaufen ist und der Anleger von der DGzRS angelaufen werden kann, macht man sich mit Trecker und Hänger auf den Weg. Einer geht mit Wathose und Stock vorweg und der Treckerfahrer fährt mit dem Kranken hinterher bis zum Anleger. Aber das geht nur, wenn das Wasser dafür schon niedrig genug steht. Tut es das nicht, müssen Schmerzen unter Umständen eben ausgehalten werden. Dann hilft nur warten und vielleicht beten.

Am Morgen des 6.12.2013. Pastor Witte zeigt den Graskranz. Das Wasser stand bis ca.1 Meter unter der Deichkante.

Am Graskranz kann man sehen, wo vor Kurzem noch das Wasser stand. Die Wellen haben ihn angespült. „Wenn man eine ungefähre Idee haben will, wie stark sich so ein Sturm anfühlen kann, muss man eigentlich nur bei 160 Stundenkilometern auf der Autobahn die Hand aus dem Fenster halten“, sagt der ehemalige Halligpastor Klaus-Dieter Niedorff. Er hat so einige Male Land unter miterlebt. Die Menschen dort haben Routine. Wenn das Telefon klingelt und der Bürgermeister kündigt eine Sturmflut an, gehen alle raus und holen alles ein, was lose ist. Wenn es später irgendwo klappert, muss man drinnen bleiben. Was sich dann löst, muss fliegen.
Einmal hat sich Pastor Niedorff nicht daran gehalten. In einer Sturmboe von 185 Stundenkilometern konnte er sich gerade noch an einem Container festhalten. Da wäre er fast über den Deich gegangen. Fortan hielt auch er sich an die Regeln.

Land unter vor einigen Jahren aus dem Fotoarchiv des damaligen Pastors Niedorff.

Heute ist Pastor Witte auf der Hallig im Einsatz. Viel kann er nicht tun. Heute morgen hat er mit den Gemeindemitgliedern auf den anderen Warften telefoniert. Kleinere Schäden wurden vermeldet. Nichts Schlimmes zum Glück. Der Orkan ist gut überstanden. Nur auf Mitteltritt ist Wasser eingelaufen. „Nun kommt noch eine dritte Flut. Die soll nicht mehr so hoch sein“, meint der Halligpastor. Unter dem Strich können sie im wahrsten Sinne des Wortes nur eines machen: abwarten und Tee trinken. So lange, bis das Wasser wieder abgelaufen ist.

Mehr Informationen – auch eine Webcam auf:

http://hooge.de/

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

Keine Meinungen bisher.

Wir freuen uns auf deine Meinung. Schnell dann bist du der Erste.

Hinterlasse deine Meinung