Der Mattenmacher.

An diesem Geschäft in Hamburg kommt man unmöglich vorbei ohne zu staunen. Viele kleine „Dreckstückchen“ zeigen auf dem Bürgersteig den Weg hinein in den gleichnamigen Laden. Drinnen steht Heinz Spenkuch. In seinem Leben dreht sich fast alles um die Fussmatte.

Ein Leben für die Matte!

Seit 2001 ist er der Inhaber des kleinen Ladens im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Gegen Ende seines Kunststudiums ist Heinz Spenkuch auf die Idee gekommen, dass Fussmatten sehr spannend sein können. Eigentlich hat ihn die liebe Nachbarschaft mit der Nase darauf gestoßen. Die beschwerte sich nämlich mehrfach über die dreckige Schmutzfangmatte vor seiner Wohnungstür. Skandal im Treppenhaus! Heinz Spenkuch nahm nicht etwa den Staubsauger, um das Ärgernis zu beseitigen – so würden ja vielleicht unkreative Menschen reagieren. Nein. Er nahm das „Corpus Delicti“ genauer ins Visier und fand darin einen lupenreinen Gegenstand für seine zukünftige Forschung. Die Grundidee für die Dreckstückchen war geboren worden. Seither haben sie in seinem Leben den ganz großen „AUF TRITT“.

Arbeitserleichterung für den GEZ-Menschen…

Konsequent betrieb Heinz Spenkuch fortan seine Forschung rund um den Fußabstreifer. Seine Diplomarbeit schrieb er über das Thema „Die Fußmatte im öffentlichen Raum“. Da kommen doch gleich Fragen auf. Wie würde ein Mann wie er eine Fußmatte für ein Rathaus anfertigen? Was würde darauf stehen? Der Schmutzfangmatten-Experte ist bei der Frage überhaupt nicht gefordert. Spontan antwortet er: „Auf einer Matte am Rathauseingang geht am besten ein Spruch wie LÜGNER RAUS!.“ Und er setzt gedankenverloren nach: „Dann wäre das Rathaus aber leer“. Legen wir diese Idee nach oben auf die Ablage…
Die entsteht gerade unter den Händen von Radek Matuszak. Er befasst sich seit 7 Jahren mit Siebdruck auf Fußabstreifern im Eingangsbereich.

Radeks liebster Spruch ist eigentlich GEH DRAUF! Das ist eindeutig eine Fußmatte für Menschen, die keinen Besuch mögen. Oder man legt sie bei bestimmten sich ankündigenden, unangenehmen Zeitgenossen aus. Dann hat man gleich einen neuen Trend gesetzt.

Für jeden Gast die richtige Matte.

Jedes Dreckstückchen bekommt per Hand eine Siebdruckaufschrift. Neben den vorgefertigten Matten können Kunden auch eigene Sprüche drucken lassen. „Eine beschriftete Fußmatte funktioniert wie ein Schild“, meint Heinz Spenkuch. Sie ist Visitenkarte und Aushängeschild zugleich. Und wer auch Probleme mit Nachbarn hat, weil die eigene Fußmatte sich schmutzig von den anderen im Haus abhebt, der kann es ja mal mit dem Spruch DU BIST DIE SCHÖNSTE IM GANZEN HAUS! versuchen. Wer das liest, beschwert sich bestimmt nicht mehr. Das nennt man dann „den Wind aus den Segeln nehmen“. So schön Fußmatten sein können, sie sind nach wie vor Gebrauchsobjekte. Dass sie waschbar sein müssen, versteht sich genauso wie eine lange Haltbarkeit. Da muss der Aufdruck nicht nur inhaltlich stimmen. Qualität muss sein.

Fußmatten beschriften macht auch mal müde…

Als Heinz Spenkuch 1995 seine Leidenschaft für Fußmatten entdeckte, war der Mattenmarkt leer. Gute Voraussetzungen für den jungen Kreativen aus Jahrgang ’67. Das hat sich ein wenig geändert, was allerdings höchstens die Spannung erhöht. Seinem Faible erliegt er überall auf der Welt. Da muss man gar nicht lange denken, wenn man überlegt, was er im Ausland wohl gern fotografiert. Na klar. Fussmatten. Sehenswürdigkeiten kann ja jeder toll finden…
Es gibt auch so viel zu erfahren. In Spanien und Portugal sind die Matten zum Beispiel nicht so tief. Da liegen sie nämlich auf der Stufe vor dem Eingang und dürfen dementsprechend lieber ein wenig mehr in die Breite gehen. Der Frage, ob der Matten-Spezialist schon von Schmutzfangmatten träume, begegnet er mit einem trocken „ja, klar“. Da gibt es fliegende Fussmatten oder welche auf denen er einfach schläft. Alle haben etwas gemeinsam: sie sind nie dreckig. Von Dreckstückchen kann da also keine Rede sein. Und schmutzige Träume sind das beileibe auch nicht.

Da weiß man gleich Bescheid…

Neben Zucht und Ordnung entsteht in dem kleinen Laden auch Anderes. Zum Beispiel die Erotik-Kollektion. Da gibt es Gummimatten mit Aufschriften wie SM… aber, ach nee. Das heißt ja Schnee und Matsch. Und dann gibt es da noch andere…. die kann sich dann ja jeder angucken…und bei Bedarf ins Treppenhaus legen. Da gibt man ein klares Statement ab. Aber das will man mit der Fußmatte ja auch. Passt schon. Bisher hat Heinz Spenkuch noch alle Kundenwünsche erfüllt. „Auch wenn es manchmal echt peinlich wird“, meint er. Komisch findet er Fußmatten mit dem Lebenslauf inklusive Sternzeichen. Aber was soll’s. Die Farbtöpfe geben alles her.

Farbe ist geduldig…

Am spannendsten findet Heinz Spenkuch Sprüche, Piktogramme oder Wörter, die mit Fußmatten eigentlich nichts zu tun haben. Eines seiner ersten Aufdrucke war beispielsweise ein Mixer. Solche Matten wecken Interesse. Schließlich sorgen sie für Assoziationsbögen. Sie müssen etwas mit dem Menschen hinter der Matte zu tun haben. Heinz Spenkuch ist generell ein Freund der Reduktion. Weniger ist mehr auf dem Fußabtreter. Manche Kunden entscheiden sich auch für Insidersprüche. Das sind oft Pärchen, die sich so begrüßen oder verabschieden. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Es gibt nichts, was nicht vor die Tür passt. Andere schreiben Bücher, Heinz Spenkuch eben Fußmatten. Ein Besuch bei ihm erfrischt die Seele.

Originalität siegt!

Verwirrungen kann es auch mal bei ihm geben. Da erinnert sich der Mattenmann an das junge Paar, das zur Hochzeit eine Fußmatte geschenkt bekommen sollte. Kurz vor Liefertermin der Anruf: „Sie haben sich getrennt“! Die Matte war überflüssig. Was nun? Dann kam der erlösende Anruf: „Sie sind wieder zusammen, wir brauchen sie doch!“ In Norddeutschland würde man dazu sagen: Rin in de Kantüffeln – ruut ut de Kantüffeln. Zum Glück ist Heinz Spenkuch flexibel. Mit Dreckstückchen kann man eben viel erleben – und lebenslang forschen.

Man achte auf die Beschriftung zu seinen Füßen…

Wenn man Heinz Spenkuch nach seinen Hobbies fragt, reagiert er eher verhalten. Klar. Er geht mal joggen oder schnorchelt gern. Aber sonst? Wieso eigentlich Hobby, wenn Fußmatten doch für ein ganzes Leben ausreichen? Recht hat er. Viele Sprüche wollen noch identitätsstiftend und preisgebend auf die Matte gerollt werden. Wahrscheinlich reicht ihre Menge auch für zwei Leben. Spannend sind sie alle. Wer also an dem kleinen Laden in Hamburg-Eimsbüttel vorbei kommt, sollte dringend anhalten. Denn eines ist garantiert: da ist mehr als EIN TRITT FREI!

Mehr dazu:

http://www.dreckstueckchen.de/

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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