DER Künstler in Neumünster…

Er hat gar keinen roten Teppich. Trotzdem treffen bei ihm die Promis aufeinander. In seinem Atelier in Neumünster teilen sich Legenden Boden und Wände. Ob nun aus dem Bereich Sport oder Rock – egal. Wer spannend ist, kommt auf die Leinwand. Sogar der Künstler selbst ist da nicht ausgenommen. Kein Wunder. Spannend ist er allemal!

Dass Peter Maffay und Torfrock sich im wirklichen Leben nahe stehen, ist wohl eher nicht anzunehmen. Ist auch nicht so wichtig. Bei Kurt Schulzke hängen sie beieinander an der Wand. Das reicht. Viele hat er gemalt. Acryl auf Leinwand. Das mag er. Schon in seiner Lehrzeit als Schauwerbegestalter bei Hertie hat er am liebsten die Kulissen bemalt. Das war ab 1966. Toll fand er es, mit den Kollegen Häuser zu bauen und zu bemalen. Die wurden dann zum Beispiel die Weihnachtsdeko für das Hamburger Alsterhaus. Grafikdesign hat er auch gelernt und immer nebenbei Comics gezeichnet. Zum Beispiel für die St. Pauli-Nachrichten. Das war damals, als Stefan Aust dort noch Chefredakteur war. In den 70er Jahren fertigte er viele Portraits an. Davon ließ sich gut leben. In der Zeit organisierte der Gentleman-Playboy Gunter Sachs eine erste Ausstellung mit Bildern von Andy Warhol in der „Galerie an der Milchstraße“ in Hamburg, nicht weit von der Alster entfernt. Kurz Schulzke war fasziniert. Sowohl von Warhols Bildern als auch von Gunter Sachs Fotos. Ersterer gab dem Hamburger Jung wichtige Impulse für sein weiteres Schaffen.

Anders malen. Das wollte er immer und hat das dann auch gemacht. Natürlich. Ein Beispiel ist sein Abendmahl der Rocklegenden. Wer Kurt Schulzke trifft, lernt einen humorvollen Menschen kennen. Einen der aber durchaus auch weiß was er will. So soll es ja auch sein. Veränderungen gehören zum Leben. Das kann auch mal ein Umzug von Mallorca nach Neumünster sein. Wo Türen zufallen, gehen andere wieder auf. Kurt Schulzke ist offen für Veränderungen und Ideen an sich. Da gibt es zum Beispiel sein Kunstprojekt „Nordlichter-Nordgesichter“, aus dem der NORD-AWARD erwachsen konnte. Viele Promis aus dem Norden hat der Popart-Künstler in dieser Zeit gemalt. Die Palette reicht von Carlo von Tiedemann, Wilhelm Wieben, Hans Albers, Max Schmeling, Heidi Kabel, Uwe Seeler oder Helmut Schmidt. Na klar auch mit dabei sind die Musiker der Gruppe Truck Stop.

Inspiration holt sich der Künster auch gern ganz einfach Zuhause. Seine Frau Astrid gibt ihm gern Impulse. Als sie ihren Lyrikband „Wie Frauen lieben – Lyrisches zu Liebe, Lust und Leid“ schrieb, setzte das auch bei ihrem Ehemann Fantasien frei. Wie lieben Frauen denn? Ganz einfach: nackt und schön. Er griff zum Pinsel. Malte einen Promi nach dem nächsten – nackt und schön. Ohne Falten. Alle straff. Sanftes Facelifting per Pinsel. Völlig schmerzfrei. Jung und knackig fand sich Angela Merkel auf seiner Staffelei wieder. Das schrieb er ihr gleich ganz begeistert nach Berlin. Sie bedachte ihre Nacktheit mit einem Mantel. Dem Mantel des Schweigens. Schade. Nun steht das Bild zum freien Verkauf. Wer möchte mal? Wer hat noch nicht??

Tja, jaaaa… SCHWEIGEN.

Das können offensichtlich sogar Feministinnen. Wer hätte das gedacht? Dabei wollte Kurt Schulzke doch nur mal einen kleinen Beitrag in der „Emma“ über sich lesen.

Wieder nichts… Künstlerpech! Das Bild steht auch zum freien Verkauf. Der Künstler trägt das gelassen mit Humor. Das zeichnet ihn aus. Alle Bilder der Reihe „NACKT UND SCHÖN“ bekamen eine eigene Ausstellung. Die kam gut an und sprach sich bis Österreich rum. Eine Besuchergruppe von dort fragte an, ob sie sich die Ausstellung auch nackt anschauen dürften. Da war selbst der Künstler mal überrascht. Die Grundidee hielt er allerdings für sehr konsequent. Leider war war das im beschaulichen Neumünster nicht für alle Gäste der Ausstellung lebbar. Ob der Kleiderzwang für die Österreicher zu ertragen war, ist nicht überliefert…

Das Feigenblatt

Sehr gut erinnert sich der Künstler jedoch daran, dass er vor Ausstellungsbeginn Guide Westerwelle und Co. mit Feigenblättern an den entsprechenden Stellen bedacht hatte. Er erlaubte dem Publikum allerdings, diese Blättchen anzuheben oder zu entfernen. Laut seiner Überlieferung dauerte es keine 10 Sekunden, da war ein Spontanherbst eingetreten und das Laub lag unten.

Kurt Schulzke ist für viele Geschichten dieser Art gut. Den „Pinselpapst“ nannten ihn Journalisten schon. Das passt wie die Faust aufs Auge. Er ist allerdings mehr. Kurt Schulzke ist Künstler durch und durch. Schon sein Vater war Kunstmaler. Das steckt in den Genen. Für das musische Talent sorgte die Mutter. Sie brachte ihm das Klavierspielen bei. So strömt auch die Musik durchs Blut und in seinen jungen Jahren direkt rein in „Schulzkes Skandal Trupp“.

Und so malt und musiziert er sich durchs Leben. Immer dabei – sein Markenzeichen: rote Brille und roter Schal. Seine Werke signiert er mit dem Kürzel „KuSCH“. Er ist unverwechselbar – der Hamburger Jung aus Jahrgang 50. Seit 8 Jahren fertigt er einen Kalender an. Immer in begrenzter Stückzahl. Alle sind signiert. In diesem Jahr hat er wieder Aquarelle zusammengestellt. „LEGENDS OF THE WORLD“ heißt der Kalender und zeigt monatsweise Prominente. Da rockt beispielsweise Heino in Anlehnung an die Gruppe KISS mit ausgestreckter Zunge und Gesichtsbemalung, Mesut Özil kämpft um den Ball oder Robbie Williams lächelt einen gemeinsam mit seinen Freunden von TAKE THAT an. Kunst für jeden Monat des Jahres.

Kurt Schulzke ist ein Unikum, längst selbst ein norddeutsches Original. Anders kann man es nicht ausdrücken. So steht er da mit einem Backbord- und einem Steuerbordschuh. Das gehört so. Schließlich ist er Segler. Das Problem ist, da ist jetzt ein Paar Schuhe übrig. Das kann er unmöglich anziehen. Dann hätte er ja backbord am rechten Fuß und steuerbord links. Das geht ja gar nicht. Das Paar Schuhe wird wohl nie getragen werden.

Dieser Künstler ist mit all seinen Ideen wunderbar. Von ihm würde sogar ich mich nackt malen lassen. Das wäre gar kein Problem. Überhaupt nicht. Ich sehe uns schon vor meinem inneren Auge in seinem Atelier: Er nackt. Ich angezogen. Wie sonst????

Mehr Informationen über Werke und den Kalender:

www.Legendenart.de

www.Kuschart.com

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

4 Meinungen über “DER Künstler in Neumünster…

  1. Super Beitrag über diesen begnadeten Menschen und Künstler, fantastico Liebe Kristianne N.

    hans Diehnelt | | Antworten
  2. Ein wirklich frech-witzig, informativer und wahrer Artikel über den Ausnahmekünstler Kurt Schulzke. Gut geschrieben, Christanne Nölting

    Astrid | | Antworten
  3. Geiler Artikel,
    so iss er,
    nicht mehr, nicht weniger.

    Antonius | | Antworten
  4. Ein herzerfrischender, munterer, leicht zu lesender intelligenter Artikel. KuSchu ist tatsächlich ein begnadeter Künstler mit einem talentierten Pinsel. Desweiteren gefällt mir sein zur Schau gestellter Frohsinn, er strahlt positive Energie aus.
    Die Bilder gefallen mir ausgesprochen gut.

    Waldemar Paulsen | | Antworten

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