Der Norddeutsche Knigge – Kapitel 15: Der richtige Umgang mit Spökenkram

Nach Halloween is vor Halloween. Is ja klar. Is so wie bei Weihnachten un Fußball-Weltmeisterschaft. Nach dat allens hat man meist `n Kater. Aber wenn Du bei Halloween allens falsch gemacht hast, denn bist Du auch noch ärgerlich bis hinten gegen. Un dat soll ja nich sein. Darum sagt Dir die Kürbismütze, wie man allens besser machen kann mit so`n Spökenkram.

Also. Wer schon mal nich weiß, wat Spöken sind, hat schlechte Karten. Für alle diese Außenseiter: Spöken sind Geister und Gespenster. Un die haben Ende Oktober ja Hochkonjunktur inne Straßen. Wat ja nich schlimm wär, wenn sie da auch einfach blieben. Aber nee, die ärgern Dich. Un dat grade denn, wenn Du Dich so richtig schön gemütlich vor`n Fernseher drappiert hast. So richtig schön in feste Einigkeit mit `ne Tüte Haribo. Die willst Du Dir mal gönnen und dabei glotzen. So´n ganzen schönen Film über Martin Luther un seine Reformation. Dat is ja aktuell an den Tag.

Un Du siehst da schon die Schlosskirche in Wittenberg, wo er die Thesen ankloppen will un Du meinst da sind schon die  Glocken zu hören, aber nee, dat is ja Deine Türklingel. Nu hast Du auf einmal auch ne These, nämlich dat Du da wohl mal hin musst. Is bestimmt wichtig da anner Tür. Du schlurfst also hin, hast die Tüte Haribo noch inne Hand und machst auf. Da stehen da `n paar kurze Geister un holpern `n Reim vor sich hin, bei dem sich fast nix reimt. Dabei schielen die so gediegen nach Deine Haribotüte. Dem einen läuft schon der Sabber über dat Kinn. Ach nee, dat is nich die blanke Haribogier, dat is aufgemalt. Aber Du bist ja nich so un Du leitest `nen kleinen Gummibär-Transfer ein: von Deine Tüte raus in ihre rein. Denn steckst Dir selbst einen in`n Mund, guckst die Gespenster noch `n büschen hinterher, machst die Tür wieder zu un beguckst Dir wieder Luther seine Thesen von`n Sofa aus.

Da sagen die grad, dat der gegen Ablass war un da bimmelt dat schon wieder. Nochmal so`n Spökenkram, diesmal mit annere Geister. Nu kriggst Du mal den Nachteil von Ablass an`n eigenen Leib zu merken. Die lassen `nen Spruch ab un Du Deine Haribos. Ablass is doof. Luther hatte Recht! Die Tüte wird immer leerer. Un wo Du da noch über sinnierst, klingelt dat noch ein paar Mal. Immer datselbe: Holperspruch mit Hängenbleibern un Augen, die auf die Tüte in Deine Hand stieren. Zuletzt is da bloß noch ein einsamen Haribo drin. Den gibst Du aus lauter weichen Herz noch so`n lütten Butscher, der gar nix kann außer groß lauern. Dafür is der Spökenkram auch durch. Du setzt Dich hin un merkst: alle Haribos wech un kein Film geguckt. Die spinnen ja wohl da draußen.

Nächstes Jahr machst Du dat anners. Buch schon mal `ne Nebelmaschine, mach `ne Hörschleife aus „Hells Bells“ von AC-DC un leg Dir `n Leichenkostüm von`n Feinsten zu. Dat eine ziehst Du an un dat annere installierst Du vor der Haustür. Un wenn dat denn klingelt, reißt Du wie aus`n Hinterhalt die Tür auf un schreist durch ein Megafon „WUUUUAAAAHHH!!!!“

Sollst mal sehn, wie die lieben Kleinen rennen. Besonders die im Vorschulalter. Jag ihnen man noch schnell die Süßigkeiten ab. Mindestens so viele, dat dat für ein paar Jahre für Dich vor`n Fernseher reicht.

Un dann machst Du die Tür zu un machst Dir dat damit richtig schön vor`n Fernseher un hast ordnlich Zeit für Reformationstag feiern. Dat geht ja mit`n schönen Film über Luther un wie er seine Thesen anne Tür nagelt. Denn kannst auch gern ein ganz lüttes Glas Bier dazu haben. Un denn sachst Du: „Prost Maddin! Auf Deine Thesen un wat Du sonst noch allens so auf`n Herzen hattest!“

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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