Von Models mit Nasenringen

Mehrere Male im Jahr gibt es Vieh-Auktionen in den Holstenhallen von Neumünster. Das zieht nicht nur Bauern mit dicken Brieftaschen an. Ein spannendes Spektakel, bei dem die Zeit irgendwie stehen geblieben scheint.

Bevor einn Bulle überhaupt verkauft werden darf, gibt es die sogenannte „Körung“. Da legt ein Komitee fest, ob er zugelassen wird. Das lohnt sich für ihn auf jeden Fall. Sonst wirst Du als Bulle nämlich gemästet und kommst dann auf’n Hänger in Richtung Schlachterei. Und da läuft für Vierbeiner bekanntlich „One Way Ticket“ aus Bauers Radio.

Im Vorraum stehen sie nun alle nebeneinander. Gleich geht die Tür auf und dann ab auf den Laufsteg. Klar, dass da vor lauter Aufregung mal ‘n lüttes Malheur passiert. Gut, dass hier alle Gummistiefel tragen. So’n bisschen Hauen und Stechen gibt‘s schon vorher bei den Protagonisten. Freundlich sehen die nicht gerade aus. Alle sind ziemlich kräftig und haben einen Ring durch die Nase.

Warten auf den eigenen Auftritt

Dann geht es raus. Was denkt sich so’n Bulle wohl dabei? Vielleicht: „Da fahre ich nu extra mit ’nem riesigen Hänger durch die Weltgeschichte, nur um hier einmal im Kreis zu laufen. Die sind doch alle bekloppt hier“. Na wenigstens hat er es bis hierhin geschafft. Die Aussichten sind für ihn ja auch nicht gerade schlecht, wenn ein ganzer Stall Kühe auf ihn wartet.

Motivation sieht anders aus.

Links und rechts wird fleißig studiert. Das Auktionsheft verrät viel über Herkunft, Gesundheit und alles, was den Preis irgendwie beeinflussen könnte. Is aber nicht so, dass der Bulle mit den dicksten Klöten dann auch den höchsten Preis abräumt. Die Bauern hier wissen schon worauf sie schauen. Körperbau und so. Na da ist der Laufsteg hier auch nicht anders als bei uns Menschen. Vielleicht mit der Ausnahme, dass dieser hier mittlerweile viele riechende Hinterlassenschaften aufweist.

Na da hat wohl jemand gerade ’nen guten Kauf gemacht.

Jetzt führt Klaus Jürgen Wiechmann seinen Bullen in die Runde. Ausgerechnet hat er sich stattliche 1500 Euro. Aber irgendwie ist das heute alles nicht so doll. „Zugenähte Taschen auf den Rängen.“ Am Ende geht sein Bulle dann für magere 1300 an seinen neuen Besitzer. „Nützt ja nichts. Der Stall zu Hause ist voll.“ Den Bullen scheint das alles nicht die Bohne zu interessieren. Auch dass die beiden jetzt wohl ihre letzten Minuten miteinander verbringen. Ein hartes Geschäft. Hier wird nicht geheult!

Der Kauf will gut überlegt sein.

Drinnen ist längst der nächste Bulle an der Reihe. Aber heute nützt auch die jahrzehntelange Erfahrung von Auktionator Bruno Dohrendorf nichts. Heute ist bislang der Wurm drin. Meist viel zu früh knallt der Hammer auf seinen Tisch. Oder die Besitzer schütteln vorm Zuschlag den Kopf, was soviel heißt wie: „Dafür hau ich ihn mir doch lieber nächsten Sommer selber auf’n Grill“.

Auktionator Bruno Dohrendorf in seinem Element

Aber dann kommt langsam Bewegung rein und die Bieter werden etwas mutiger. Kuhhandel auf höchstem Niveau. Die Spannung steigt und nasse Hände auf der Tribüne zucken, ob der Arm nun in die Höhe schnellen soll oder nicht. Ganz hinten sieht man das Ganze eher gelassen.

Hest Du dat grod sehn?

Über 30 Tiere wechseln hier heute den Besitzer. Eben noch Kontrahenten, sitzt man anschließend noch in gemütlicher Runde beim Rindersteak. Vegetarier verlaufen sich hier wohl eher nicht her.

Über Gerrit Hoss

Gerrit Hoss

Ich bin Musiker, Autor diverser Magazine und Radio-Journalist beim NDR. Ich mag es bunt und wohl intoniert. Deshalb klingt der Norden für mich am schönsten.

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