Wo Herbst und Frühjahr sich begegnen…

Man möchte singen. Aber was? „Der Mai ist gekommen“? Im Oktober? Dann doch besser „Bunt sind schon die Wälder“! Aber das bei der gelben Blütenpracht? Ist doch auch doof. Passt doch auch nicht.

Man kann es drehen und wenden wie man will. Die Rübsen verwirren einfach. Schon allein die erdige Herbstluft, die sich mit süßem Maiduft wie dem von Raps vermischt, mutet eigenartig an. Das gehört doch alles nicht so. Oder doch?

Dieses Blütenmeer befindet sich in direkter Nachbarschaft von Worpswede. Rundherum gibt es mehr davon. So wie momentan an so vielen Stellen im herbstlich schönen Norden. Eigentlich kommt die Rübse aus dem Mittelmeerraum und ist alt. Sehr alt. Sie wurde schon in der Jungsteinzeit kultiviert. Ihre Familie ist die der Kreuzblütengewächse. Somit gehört sie zur Gattung des Kohls. Sie ist eine Elternart des Rapses. Aber im Gegensatz zum ihm blüht sie nicht nur im Frühjahr, sondern von April bis September. In diesem Jahr offensichtlich auch noch im Oktober.

Die Rübse dient als Öl- und Futterpflanze. Wenn man anhält und sich so ein Feld genauer beguckt, dann fühlt man sich allerdings endgültig jahreszeitlich verwirrt. Gern schießt Getreide durch, das vorher auf diesem Feld Frucht trug. Gerstengrannen wiegen sich gemeinsam mit den gelben Blüten im Wind. Da bleibt nur eines: den bunten Blättern an den Bäumen den Rücken zudrehen und sich dem gelben Feld hingeben: einmal noch den Frühling im Herbst genießen!

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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