Die tote Tante und ihre Freunde…

Es wird kühl. Man fröstelt. Dagegen möchte man etwas tun. Aber was? Es soll ja am besten etwas von einem Überraschungsei haben und drei in einem sein. Wie wäre es da mit „wärmend, lustig machend, lecker“? Das haut doch hin. Genügend Getränke gibt es dafür. Die sind bekannt. Aber welche Geschichten umranken sie? Und viel spannender: welche Geschichten könnten sie sonst noch so umranken wenn die Nacht lang ist? Hm. Nachdenken. Ist nicht einfach zu beantworten. Fangen wir also lieber gleich an mit den…. ähh… wäre man gemein, würde man sie jetzt Frostschutzmittel nennen… (Zum Glück ist hier niemand gemein.)

Tote Tante:

Tote Tante! Wie fies klingt das denn? Warum soll eigentlich die Tante tot sein? Warum nicht der Onkel? Schwiegermütter werden doch in diesem Zusammenhang auch immer wieder gern genommen! Aber nein! Es muss ja die Tante sein! Na ja. Wollen wir nicht kleinlich sein. Vielleicht kommt der Name ja mitten aus dem Leben. Dann hätte er Sinn. Vielleicht hat man ja mal eine Tante nach zu viel Genuss tot unter dem Tisch gefunden? Wer weiß. Auf jeden Fall besteht dieses Heizgetränk aus heißem Kakao, einem sehr guten Schups Rum, Schlagsahne als Haube und Schokoraspel als Deko. Fertig ist der Seelenlack. Es gibt Leute, die nennen das auch Lumumba. Das sollte man lieber nachlassen. Warum? Es wurde ursprünglich nach dem kongolesischen Politiker Patrice Lumumba benannt. 1960 wurde er Präsident des unabhängigen Kongo, blieb es nicht lange und wurde grausam getötet. „Lumumba“ heißt wörtlich übersetzt „aufrührerische Massen“. Wie Kakao mit Rum mit diesem Namen in Verbindung gekommen sind? Die Antwort läßt sich nur vermuten. Wahrscheinlich resultiert die Verbindung aus Getränk und Namen aus der Tatsache, dass aus dem Kongo Kakao und Zuckerrohr exportiert wurden. Klar ist nur, dass der Kakao mit Rum hierzulande heftig diskutiert wurde. Zumindest in Zusammenhang mit dem Namen. Er landete auf der Liste mit „rassistischen Bezeichnungen von Getränken und Speisen“ – zusammen mit Negerkuss und Zigeunerschnitzel.

Lassen wir es also mit Lumumba. Da klingt „tote Tante“ natürlich gleich viel harmloser… oder?… Ähäm…

Bombardino:

Ganz klar. Hier muss nicht überlegt werden, woher der Name kommt. Schließlich ist das heißer Eierlikör mit Rum. Wenn das nicht das Hirn bombardiert, was dann? Lassen wir an dieser Stelle also die rhetorischen Fragen. Wenden wir uns einem anderen winterlichen Heißgetränk zu:

Rumgrog:

Auch eines der einfachsten Rezepte der Welt: Rum muss, Zucker kann, Wasser darf. Umrühren und fertig. Ist effektiv. Auf Dauer wohl eher zu viel des Guten. Das Zeug macht ganz schön groggy. Daher wohl auch der Name.

– – – :

So was Dummes. Hier fehlt der Name. Aber es ist lecker. Kann man gerne mal haben: heißen Kirschsaft mit Rum, Sahnehaube und Zimt. Geraspelte Schokolade würde mit Sicherheit auch noch gut passen. Hat was von Schwarzwälder Kirschtorte ohne Tortenboden. Aber wie soll das nun heißen? Vorschläge werden gern genommen. Das Kommentarfeld unter dem Beitrag bietet die Möglichkeiten der unendlichen Weiten…

Punsch:

Den kann man fertig kaufen oder man macht es wie die Skandinavier. Da hat fast jede Familie ihr eigenes Rezept. Vererbt über Generationen. Man streitet, wie er am besten schmeckt. Und man nennt ihn nicht Punsch. Er heißt da Glögg und ist lecker. Wer was auf sich hält, macht ihn also selbst. Wie geht guter Glögg? Man erwärmt den Inhalt einer Flasche Rotwein mit 150 Gramm Zucker, 2 Stücken Sternanis, 5 Kardamomkapseln, 1 Zimtstange, 1 walnussgroßen Stück Ingwer mit der Schale von einer halben Bioorange. Dem fügt man je 100 Gramm Pinienkerne, Süßmandeln und Sultaninen hinzu. Schön durchgezogen ist das eine nordische Leckerei vom Feinsten. Auch spannend in vielerlei Hinsicht ist folgendes Getränk:

Pharisäer:

Die Geschichte ist schon ein wenig abgedroschen. Jeder kennt die Überlieferung von der Taufe an der Nordseeküste im 19.Jahrhundert, bei der ein gestrenger und nüchtern lebender Herr Pastor nicht merken durfte, dass die Feierrunde Rum im Kaffee trank. Zur Unterdrückung des Geruchs gab man ein Sahnehäubchen auf den hochprozentigen Kaffee. Der Pastor bekam den einfachen Kaffee mit Sahne. Als er merkte, dass die anderen schummelten, bezichtigte er sie Pharisäer zu sein. Damit bewies er, dass er nicht nur abstinent, sondern auch ganz schön polemisch war. Sonst hätte er diese besondere Lehre und Schule des antiken Judentums wohl nicht mit dem abwertenden Prädikat „heuchlerisch“ versehen. Auf alle Fälle war dieser Pastor wohl der Erste, der sich über diesen hochprozentigen Kaffee mit Sahne aufregte.

Er sollte nicht der Letzte sein.

Das beweist das Urteil des Amtsgerichtes Flensburg vom 9.10.1981 mit dem Aktenzeichen 63 C 84/81. Es hatte Ärger gegeben. Grossen Ärger. Um 7 DM…

Diese Summe sollte der Gast einer Schankwirtschaft für seinen bestellten Pharisäer bezahlen. Das wollte er nicht. Schließlich meinte er gefühlt und geschmeckt nur Kaffee in der Tasse gehabt zu haben. Dem Rum war eine eher sehr kleine Nebenrolle zugewiesen worden. Der Wirt hatte 2 cl für ausreichend gehalten. Der Gast hatte jedoch Glück, dass der Richter auch Rum mochte und nach ausgiebiger Geschmacksprobe legte dieser fest, dass 4cl vonnöten seien, damit ein Pharisäer auch als ein ebensolcher durchgehen könne. Alles andere wäre fade und ausdruckslos für die Geschmacksknospen und würde dieselbigen mitnichten in Schwingung und den Geist nicht in Stimmung versetzen. Kurz: in den Pharisäer gehört ein anständiger Schups Rum. Das ist seitdem amtlich! Und damit hat der Pharisäer bewiesen, dass er seit Jahrhunderten die Gemüter erhitzt – in vielerlei Hinsicht… Prost!

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

5 Meinungen über “Die tote Tante und ihre Freunde…

  1. Hier wäre, liebe Christianne, noch ein Hinweis auf den besonders in Dithmarschen beliebten Eiergrog angebracht. So ähnlich wie Bombardino, aber eher norddeutsch traditionell…

    Volker Holm | | Antworten
    1. Christianne Nölting

      Da kann doch geholfen werden – auch wenn ich diesen Eiergrog persönlich noch nie probiert habe. Hier ist das Rezept!

      Christianne Nölting | | Antworten
  2. Hej Christiane,
    Wie wäre es mit „Mien Sööten“ für den Namenlosen – in Anlehnung an Mon Chéri
    Viele Grüße
    Meike

    Meike Petsch | | Antworten
    1. Christianne Nölting

      Gute Idee! Danke!

      Christianne Nölting | | Antworten
  3. Wie wäre es in Anlehnung an den Schwarzwald und die therapeutische Wirkung mit ‚Dr. Brinkmann‘ ?
    Gruß, Ulrike

    Ulrike | | Antworten

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