Rum rundum und rund um Rum!

Ein wenig Abseits vom Fußgängerzonen-Trubel und leicht versteckt in einem Seitengässchen, in der ehemaligen Marienburg, da findet man in Flensburg einen kleinen Schatz, den es bereits seit 1878 gibt: die Firma A.H.Johannsen. In vierter Generation wird nach alter Familientradition Rum verschnitten und vertrieben. Wer mag, kann sich durch die heutige Produktionsstätte mit den vielen Fässern, Lagern und Flaschen führen lassen – oder einfach hier mit uns einen kleinen Besuch abstatten.

Von weitem ist das kleine rote Haus in der Marienstrasse von Flensburgs Innenstadt leicht zu übersehen. Zum Glück führen Schilder dorthin. Im Inneren birgt es viele verschiedene hochprozentige Schätze: die Rumsorten der Familie Johannsen. Die Flaschen hatten von der Produktionsstätte hinter dem Haus bis in den Laden keinen langen Weg. Ihr Inhalt allerdings schon! Der braucht viel Kenntnis, Zeit und Pflege, um zu dem bernsteinfarbenen Produkt zu werden, das zum Verkosten lockt – natürlich nur die Erwachsenen und natürlich nur in Maßen.

In der Mitte des 18.Jahrhunderts gehörte Flensburg zum neutralen Dänemark. Unter dänischer Flagge segelten Rumfässer von den Westindischen Inseln nach Flensburg. Der Inhalt wurde schnell populär, war allerdings nicht nur bei einheimischen Kehlen beliebt. Unter anderem gab es auch einen regen Export nach Norwegen. Das Geschäft mit Rum blühte. Das merkten natürlich auch die staatlichen Stellen. Im 19.Jahrundert wurde schließlich Zoll auf die Einfuhr erhoben. Um diese Kosten so gering wie möglich zu halten, kam der Rum fortan als 70-80%iges Konzentrat in den hohen Norden. Da das viel zu stark zum Trinken war, nahmen sich Rumfabrikanten des Getränkes an und verdelten es bis zur Trinkstärke. Der Rum wurde verschnitten. Will man den Vorgang mit der Weinherstellung vergleichen, dann hieße das beim Rebensaft „ein Cuvée herstellen“. Das hört sich natürlich feiner an – der Vorgang ist beim Rum allerdings recht gleich. Mit viel Erfahrung werden die richtigen Sorten zusammengebracht und wiederum gepflegt und gelagert. Letzteres ist besonders wichtig. Erst die Nachlagerung des verschnittenen Rums nimmt die Schärfe des Getränkes und macht es hochwertiger.

In diesen Tagen wartet bei Johannsen-Rum der Punsch auf die Abfüllung. Grundlage ist ein Rotwein aus Italien. Der wird mit Kräutern und Rum verfeinert. Die Abfüllanlage steht bereit. Auch Liköre werden von Martin Johannsen und seinen Angestellten hergestellt. Hinter den Produkten ihres Angebotes stecken meist alte und immer eigene Rezepturen. Auch neue Getränke werden entwickelt. Dabei wird auf eigene Kenntnisse zurückgegriffen. Eine langwierige Produktentwicklung wäre für ein Unternehmen dieser Größe viel zu kostspielig. Schließlich dauert die meistens ein paar Jahre. Manchmal geht es auch schnell im eigenen Haus. Zum Beispiel hat es 1 Jahr gedauert, bis der Sahnelikör es verdient auf den Ladentisch geschafft hat. Manchmal kann es schnell gehen. Manchmal eben auch nicht. Die Punsch-Rezeptur steht auf jeden Fall. Bei den Johannsens verlässt man sich auf den eigenen Geschmack. Die Nachfrage gibt dem letztendlich recht.

Halb voll? Halb leer? Halb voll!

Rum geht in seiner Entwicklung manchmal eigene Wege, meint Martin Johannsen. Nach langer Lagerung kann es vorkommen, dass er wie Whiskey oder Weinbrand schmeckt. Beide revanchieren sich und schmecken auch mal nach Rum. Dem Hochprozentigem in der Flasche ist egal, was geschmacklich aus ihm wird. Den Geschmacksknospen der Genießer wohl weniger und dem Macher erst recht nicht. Die Vorgaben und den weiteren Weg bestimmt er. Ursprünglich hat Martin Johannsen mal Tischler gelernt. Die Ausbildung zum Destillateur kam später hinzu. Rum ist stark im Kommen, freut sich der 49 Jahre alte Familienvater von 2 Kindern. Rum konserviert. Auf die Nachfrage, ob man ihm darum sein Alter nicht ansehen würde, lacht er herzlich.

Was Martin Johannsen in seinem Grappa-Glas schwenkt und am besten bei Zimmertemperatur verkostet, ist eigentlich ein Abfallprodukt. Am Anfang steht der Zuckerrohrsaft. Er wird so weit eingekocht, dass der Zucker kristallisiert. Während eines kräftigen Schleudergangs in der Zentrifuge wird Zuckerrohrmelasse abgegeben. Sie ist die Grundlage für die Rumherstellung. Gegoren und gebrannt geht es ab ins Eichenfass und dort gibt es ein paar Monate bis Jahre Ruhe. Der noch sehr starke Rum kann sich entwickeln und wird Grundlage für den Verschnitt. In Flensburg schwört Martin Johannsen auf das gute Wasser. So wie Generationen und Kollegen vor ihm. Vor 200 Jahren gab es noch Duzende von Rumhäusern in Flensburg. Heute muss man den Rum dort suchen. Wie schön, wenn man dann findet.

Und nun ab in den Verkauf!

Martin Johannsen steckt voller Ideen. Zum Beispiel sucht und findet er immer wieder Segelschiffe, die auf Reise rund um den Äquator gehen. Auf ihnen schickt er gern ein Eichenfass allerbesten Rums mit, der dann mit Äquatorreife zurück nach Hause kommt. Schließlich gehört der Rum da ja traditionell hin: aufs Schiff. Jahrhundertelang war für Seeleute eine tägliche Ration normal. Zusammen mit Zitronen sollten sie gegen Skorbut helfen. Man wusste noch nicht, dass die Zitronen allein gereicht hätten. Nun fand aber wieder ein Fass Johannsen-Rum ganz frei von Zitrusfrüchten Platz auf dem Gaffelschoner „Undine“ und ein weiteres trat seine Reise auf der Bark „Alexander von Humboldt“ an. Ende Mai 2014 wird es wieder in Flensburg ankommen. Dann geht der gute Tropfen in die Flaschen. Martin Johannsen ist überzeugt davon, dass Seeluft und Seegang eine sehr besondere „Zutat“ bei der Herstellung eines hervorragenden Rums sind.

Genuss in kleinen Mengen.

Wenn man Martin Johannsen fragt, was er an seinem Beruf schätzt, dann kommt die Antwort prompt: die Vielfältigkeit der Aufgaben in dem kleinen Betrieb. Gern steht er selbst in der Produktion – auch mal am Wochenende, wenn es sein muss. Dazu kommen Präsentationen auf Messen und einiges mehr. Dass er das große Gaffelseglertreffen, die Rum-Regatta in Flensburg unterstützt, ist eher eine Freude und ein großer Spaß, wenn man bedenkt, dass alle mitsegelnden Traditionsschiffe sich grösste Mühe geben, den 2.Platz zu machen. Der Zweite bekommt nämlich traditionell eine riesige Flasche Johannsen-Rum. Der Erstplatzierte geht mit einem eher unbedeutenden Preis nach Hause. Da will niemand gewinnen.

Und was macht Martin Johannsen, wenn er dann doch endlich Zuhause ist? Ganz klar: Er gibt dem Rum eine Pause und genießt ein kleines Gläschen Bier…

Mehr Informationen:

http://www.johannsen-rum.de

Auch einen Besuch wert:

Im Schiffahrtsmuseum gibt es ein Rum-Museum:
Schiffbrücke 39, 24939 Flensburg
Tel. 85 29 70, Fax 85 16 65

Öffnungszeiten:
Di. – So.: 10 – 17 Uhr (April – Okt.)
Di. – So.: 10 – 16 Uhr (Nov. – März)

Und zum Schluss das dicke Ende! Sagen Sie doch ganz schnell immer wieder hintereinander:

Rudolf rollt Rum rundrum!

Wer kann das ganz schnell? Wir freuen uns über Kommentare bezüglich der Erfahrungen mit diesem Zungenbrecher und natürlich über Beitragskommentare!

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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