Glücksbringer im 2.Lehrjahr: Rebecca

Eigentlich war es erst einmal ein freiwilliges Praktikum. Nur mal so zum Reinschnuppern. Daraus wurde eine ganze Lehre. Rebecca Bekeschus ist nun im zweiten Lehrjahr in ihrem Traumberuf: Schornsteinfegerin!

Mathematik, Physik und Chemie. Das waren in der Schule ihre Lieblingsfächer. Eine gute Voraussetzung für ihre Lehre. Und ihre Kenntnisse musste sie schon vor Beginn der Lehrzeit unter Beweis stellen: bei der Aufnahmeprüfung der Innung der Schornsteinfeger. Geprüft wird unter anderem Kopfrechnen, Flächenberechnung und Rechtschreibung. Je nach Leistung werden die Anwärter in die Gruppen A, B und C eingeteilt. Wenn jemand es nur in die Gruppe C geschafft hat, wird eine andere Lehre empfohlen. Mit jemandem aus der Gruppe B kann es der Meister versuchen. Wer es bis in die Gruppe A geschafft hat, kann stolz sein. Er hat die Empfehlung, dass man ihn dringend einstellen möge. Rebecca kommt aus der Gruppe A. Ihr Schornsteinfegermeister Hans-Joachim Bruhn aus Gelting ist beim Einstellungsverfahren damit schon mal auf der sicheren Seite gewesen. Jetzt muss er der 17jährigen die Praxis beibringen. Geduld und Spucke sind gefragt… wie so oft im Leben.

Noch hilft der Meister…

Schornsteinfeger Bruhn, der sich selbst der Schorni von Gelting nennt, hat tatkräftige Unterstützung. Frank Petersen hilft ihm. Auch was Rebecca betrifft. Die kämpft seit dem letzten Blockunterricht in Melldorf mit der Stöchiometrie. Frank kann das noch. Er hilft Rebecca. Der Geselle kann sich noch gut erinnern, wie er über Abgasberechnung und Anlagentechnik gebrütet und geschwitzt hat. Zum Glück liegt das lange hinter ihm. In seiner Ausbildungsklasse waren damals 18 Jungen und 2 Mädchen. „Schornsteinfeger werden heute gesucht – besonders die guten!“, meint er. Es ist absolut ein Beruf mit Zukunft, freut sich der Geselle. Unangenehm wird es nur, wenn die Leute anfangen einem über die Schulter zu spucken, weil sie meinen, es würde Glück bringen. Aber auch da ist er geduldig und hält still. Nützt ja nix!

Rebecca besucht eine Klasse mit 26 Auszubildenden. Davon sind 5 weiblich. Sie mag ihre Lehre. Ursprünglich wollte sie ins Hotelfach. Während eines Praktikums wurde ihr klar, dass ihr die Arbeitszeiten nicht lagen und sie den Umgang mit den Arbeitskräften auch nicht besonders berauschend fand. Ganz anders ist es jetzt mit „ihrem Gesellen“ und „ihrem Meister“. Die sind nett. Und wenn man die fragt, ob sie mit der Deern anders umgehen als mit einem Jungen? Dann sagen sie resolut und aus dem Brustton der Überzeugung: „Nein! Rebecca wird ganz genauso angepackt wie ein männlicher Geselle!“ Nach kurzer Pause dann der Nachklapp: „Wir sind nur ein bisschen behutsamer im Umgang….!“

An ihrem Lehrberuf gefällt Rebecca Bekeschus, dass sie oft draußen arbeiten kann, die Arbeit abwechslungsreich ist und sie viel Kontakt zu Menschen hat. Schornsteine fegen, Heizungen messen oder – so wie heute – mal einen neuen Schornstein anbauen, jeder Tag bringt neben der Routine auch viel Neues. Ihren Kehranzug, den Koller und die Hose, hat sie heute nicht an. Den trägt sie zum Kehren. Bezahlt hat den Anzug der Schorni, ihr Meister. Zum Glück. Das Ding kostet um und bei 800 Euro. Das ist viel Geld für eine Auszubildende. Ihren Lohn bezahlt ihr Ausbilder allerdings nicht. Der kommt aus der Lehrlingsausgleichskasse der Schornsteinfeger. Alle zahlen da ein. Die Ausbildungsbetriebe bekommen das Geld für ihre Azubis aus diesem Topf. Kein Schornsteinfeger würde einen Auszubildenden aus der eigenen Kasse bezahlen. Wozu auch? Sie sind selbständig. Damit der Beruf nicht ausstirbt, wurde der Solidaritätstopf geschaffen.

Gib mir mal den Akkuschrauber! Ich mach das!

Der Beruf des Schornsteinfegers kann körperlich auch anstrengend sein. Allein die große Klappleiter hat Gewicht und selbst der Messkoffer ist schwer. Rebecca kämpft oft genug damit. Darum hatte Hans-Joachim Bruhn schon eine Idee. Wenn sie ihr eigenes Messgeschirr braucht, dann bekommt sie statt des Koffers einen Rucksack. Da lässt sich das Gewicht besser verteilen. Man muss sich nur zu helfen wissen. Der Meister findet für viele Fragen eine Lösung. Selbst auf die: „Bringen Schornsteinfeger Glück oder brauchen Schornsteinfeger Glück?“ Die Antwort: „Schornsteinfeger sind glückliche Menschen. Ganz klar, dass sie davon etwas abgeben!“ Na dann: dreimal über die Schulter gespuckt! Aber bitte trocken!!!

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

Eine Meinung über “Glücksbringer im 2.Lehrjahr: Rebecca

  1. Moin
    Ich finds klasse das der Schorni ausser den sonst in der Branche üblichen Aussendiensttätigkeiten des Ordnungsamtes tatsächlich selbst „handwerklich“ tätig wird!!!
    Ich wünsche Rebecca alles Gute und das sie eine richtige Fachkraft im SchornsteinfegerHAND-WERK wird!
    Gruss Willy Petersen Brebel

    Willy und Sylvia Petersen | | Antworten

Hinterlasse deine Meinung