Sandra im Farbenwunderland

Bei Sandra Schlichting kommt das Glück aus der Tube. Hopsende Löwen, sinnierende Fische und fröhliche Dickmadames tummeln sich auf ihren quietschbunten Acrylbildern. Leichtigkeit auf Leinwand.

Zwischen Fliegenpilzen und vierblättrigem Klee schwebt ein Mops glückselig umher. Auch der über den Tisch gebeugte weiße Hase kann nicht klagen: „Für ’nen Teller Möhrensuppe ist mir alles andere schnuppe“. Die bunten Tiere auf den Bildern von Sandra Schlichting kommen kindlich daher, die holprigen Reime und Sprachspiele heiter. Die gut gelaunten Werke wirken – nicht nur im Kinderzimmer.

Noch bis vor zwei Jahren hatte die Malerin in St. Pauli ihre Atelier-Galerie. Dann konnte sie dem Sog des Ländlichen nicht mehr widerstehen, machte die Galerie dicht und zog mit ihrer Familie, den Acryltuben und der Staffelei in ihre alte Heimat zurück. Jetzt malt sie im niedersächsischen Wingst in einem lichten Souterrain-Atelier. „Leicht und unbeschwert, ohne Anspruch auf Weltbewegendes, sollen meine Bilder sein“, sagt die Künstlerin und wirkt dabei so, als sei auch ihr die Schwere fern. Tiere malt sie besonders gerne. Aber auch Menschen, ganz besonders die ballonförmigen, haben es der zierlichen Frau angetan. An der Wand lehnen zwei badelustige Dickmadames in gewagten Outfits: „Modisch klasse wagt sie sich ins Nasse“ und „Springen vom Beckenrand verboten“.

2003 war für die studierte Grafikdesignerin das Jahr des Farbwechsels. Bis dahin arbeitete sie in einer Werbeagentur in Oldenburg und danach als Layouterin bei der „Brigitte“. Doch mit dem leblosen Alltag am Computer konnte sie sich nie anfreunden. „Ich war immer latent unzufrieden, das war es einfach nicht, was ich machen wollte. Ich wollte malen, wollte was anfassen, ich wollte Farben“, sagt sie. Sie reibt die farbverkrusteten Finger aneinander und zeigt auf die knapp zwangig Acrylfarbentuben, die neben Pinseln, Tüchern und Farbpaletten stehen. Sie mietete Räume, renovierte und startete mit Malen und Verkaufen. Weil Füchse und Köche damals ihre Lieblingsmotive waren, nannte sie die Galerie „Fuchs + Koch“.

Um einen Pinsel und die richtige Farbe ist Sandra Schlichting nie verlegen.

Vor der Geburt ihrer zwei Kinder hat Sandra Schlichting viel Energie in die Vermarktung ihrer Kunst gesteckt. In den letzten Jahren ist das Kunstschaffen selber immer weiter in den Vordergrund getreten. Ihre Bilder verkauft sie seit dem Umzug aufs Land sowohl online als auch über Schaukästen, die im Hamburger Stadtteil Ottensen hängen.

Bunt, heiter und leicht sind die Bilder von Sandra Schlichting. Einfach ein tierisches Vergnügen!

„Die Kunst gibt mir, was im Alltag nicht ist. Wenn man kleine Kinder hat, ist man ständig dabei, Bedürfnisse zu befriedigen. Für einen selber bleibt da kaum Zeit“, meint sie und ergänzt: „Das Malen ist für mich eine Flucht in die Welt der Farben und Formen.“ Eine willkommene Abwechslung vom schlichten Funktionieren. Solange die Kinder klein sind, sollen sie Vorrang haben – auch vor der Malerei. Inzwischen sind Ida und Liv vier und sechs Jahre alt und greifen selber gerne zur Farbe während Sandra Schlichting ihre tierische Helden und kugeligen Damen auf Leinwand bannt. Die Künstlerin liebt es aber genauso, wenn sie mal völlig ungestört arbeiten kann. „Ich möchte perfekte Bilder hinkriegen. Bilder, bei denen ich nicht lange überlege. Bilder, die einfach aus mir herausfließen, ein Guss sind“. Ihre Augen leuchten. „Es ist eine Art Luxusgefühl, der Moment des Glücks, wenn ein Bild gelingt. Dieses Glück ist doch letztlich der Antrieb,“ sagt sie und versenkt ihren Pinsel lustvoll im Hundeschnauzenbraun.

Mehr Informationen und weitere Bilder gibt es auf der Webseite: www.fuchsundkoch.de

Wer es lieber live mag, kommt ab dem 2. November 2013 nach Hamburg-Ottensen zu „Frieda am Park“. Dort stellt Sandra Schlichting bis Anfang Januar ihre bunten Wunder zur Schau.

Frieda am Park, Bernadottestraße 20, 22763 Hamburg

Über Katharina Petzholdt

Katharina Petzholdt

Angedockt im Norden mit einer Vorliebe für Franz- und Fischbrötchen, Elbblick und spröden Humor. Alltag in Blankenese, Auszeit auf Amrum.

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