Bücherbus für Landleseratten

Alle paar Wochen hält auf dem Lande, wie zum Beispiel in Hürup bei Flensburg, der Bücherbus. Große und kleine Leser warten auf Bestelltes oder wollen einfach mal auf gut Glück was finden. Vielleicht auch einfach nochmal verlängern. Denn irgendwie war noch gar keine Zeit da, in den Stapel vom letzen Mal reinzuschauen. „Is dat denn all wedder so lang her?“

„Lebst du auf dem Land, dann bist du ganz schön gekniffen. Ein schneller Gang zur Bücherei an einem langweiligen Regennachmittag? Ist nicht drin. Zu weit weg. Also bleiben PC und Fernseher? Och nö! Kräftig lesen und der Bregen entwickelt sich viel prächtiger. Und dafür kommt mehrmals im Monat der Bücherbus. Da kannst du auch auf‘m platten Land noch ‘n Schmöker mit in die Kiste nehmen.

Nicht zu übersehen. „Bücher auf Rädern“ für die Landleute.

Muss ja nicht gleich der fette Gedichtband vom Johann Wolfgang sein. Geht doch auch mal leichte Kost. Und wenn du schon immer mal wissen wolltest, wer da so Deine Dorfkirche hochgemauert hat, dann steck Deine Nase doch mal in die Abteilung „Heimat“. Da findest du Sachen über Menschen aus deinem Dorf, die seit Ewigkeiten schon nicht mehr leben.

Regionales, was sonst nirgendwo zu bekommen ist.

Ab in den Bus und stöbern. Und wenn Du Dich da verirrst oder verhaspelst, dann nehmen Dich die Jungs sogar ein Stück mit. Alles schon vorgekommen. Ist ja auch nicht leicht zwischen Tausenden von Büchern in gerade mal zehn Minuten das Richtige zu finden. Aber wer nicht fragt, bleibt dumm.

Da soll sich mal jemand in zehn Minuten durchkämpfen.

Dann ab zum Tresen und aus dem Staub machen. Ist doch Herbst. Schnell die Puschen an und ab vor den Kamin mit dem Bücherberg. Ist da nicht noch ne Flasche von dem Roten im Keller? Ach, die musste gestern dran glauben. Na macht ja nix. Geht auch sehr gut ohne. Heute bleibt die Kiste mal aus. Dafür bleibt die Birne mal etwas länger wach. Bäh, sind das Schokoladenflecken da auf Seite 23? Na, ich will gar nicht wissen, wer das alles schon in den Händen hatte. Früher konntest du das sogar sehen. Da standen hinten die Ausleiher mit Stempel drin. Heute nicht mehr möglich wegen Datenschutz und so. Ich lach mich schlapp. Im digitalen Zeitalter wohl eher anders rum. Aber egal. Heute wird alles nur noch gescannt.

Gestempelt wird hier schon längst nicht mehr.

Und dabei erzählte mir der Fahrer doch glatt, dass er selbst ja gar nicht so viel liest. Nur am Morgen zum Kaffee die Zeitung. Ist wohl wie die quietschende Tür beim Zimmermann. Der hat abends zu Hause ja auch keene Böcke noch Holzwurm zu spielen. Nächster Halt ist ein Kindergarten. Dafür werden extra Kisten gepackt. Na dann können sich die Lütten auf Buntes zwischen Buchdeckeln freuen.

Der passende Bildband zur Route.

Und was noch hängen bleibt, ist die Hupe. Die ist anders als bei unserem Bücherbus früher. Aber die erkenne ich unter Tausenden heraus. Im Sommer das zweitwichtigste Signal nach dem Eiswagen. Na dann mal reinhauen und den ganzen Berg bis zur Abgabefrist abarbeiten. Wie soll ich das denn schaffen?…

Über Gerrit Hoss

Gerrit Hoss

Ich bin Musiker, Autor diverser Magazine und Radio-Journalist beim NDR. Ich mag es bunt und wohl intoniert. Deshalb klingt der Norden für mich am schönsten.

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