Malerisches Grau

Endlich wieder da. Grau ist doch die schönste Farbe von allen. Was willst du? Lieber blauen Himmel? Das kann doch jeder irgendwo haben. Ab in den Flieger und mal eben auf die Bahamas jetten. Aber wohin, wenn du da mal diese wohltuende „Nieselregen-Suppe“ brauchst?

Zugegeben. Nicht unbedingt Jedermanns Sache. Vielleicht musst du dafür gemacht sein. Aber wir Nordlichter sind deshalb doch nicht gleich alle depressiv. OK, käme der Sommer zurück, hätte hier sicherlich niemand was dagegen. Es heißt, wir würden sowieso nicht viel reden. Und über‘s Wetter? Nö, „Es is halt wie es is.“ Die Wetterkarte verfolgen bei uns schon die ganz Lütten. Wir wohnen da, wo immer die Regenwolke ist. Macht doch auch keinen Sinn. So ein Pharisäer im kleinen Cafe hinterm Deich bei Sonnenschein. Nein, da musst du schon so richtig durchgefroren sein. Blaue Finger und am besten sogar ne rote Nase im Gesicht. Die bekommst du hier im Februar von ganz alleine. Ganz ohne alberne Verkleidung. Können wir hier gar nicht drüber lachen.

Die graue Zeit zum Aufräumen. Nicht denn ganzen Kram, der sich in der Wohnung stapelt. Nein, in dir selbst. Schietwedder regt zum Nachdenken an. Habe ich die schönste Zeit des Jahres genutzt? Oder ist der Sommer wieder an mir vorbei gezogen. Ich hatte doch wieder mal so viel vor? Wenn das wieder mal passiert ist, gibt es ein eindeutiges Alarmsignal. Er steht vor Dir, wenn du nicht mit ihm rechnest. Grimmiger Blick, langer Mantel, und entkommen wirst du ihm nie. Wohin du auch gehst. Der erste Schokoladen-Weihnachtsmann in diesem Jahr. Wenn er Dir ab Anfang September tief in die Augen sieht, ist es meistens zu Spät. Dann befällt dich eine Panik. Nachholbedarf auf allen Ebenen.

Altweibersommer oder „Der letzte Versuch“. Noch schnell ein Eis im Freien, während die Kinder schon Kastanien sammeln. Oder doch nochmal ans Meer? Schön mit ‘ner Tüte Spekulatius und Thermobuddel im Strandkorb sitzen? Hat doch auch was. Und außerdem ist es doch auch nicht so voll wie im Sommer. Bei Ruhe lässt es sich doch auch am besten genießen. Das malerische Grau.

Über Gerrit Hoss

Gerrit Hoss

Ich bin Musiker, Autor diverser Magazine und Radio-Journalist beim NDR. Ich mag es bunt und wohl intoniert. Deshalb klingt der Norden für mich am schönsten.

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