Ein norddeutscher Künstler mit Profil: Rüdiger Wolff!

Mit 8 Jahren hatte er seinen ersten kleinen Auftritt in Flensburg. Mit 12 stand Rüdiger Wolff abermals auf den Brettern, die später seine Welt bedeuten sollten: als Knabe in der Zauberflöte. Von der niederdeutschen Bühne Flensburg führte ihn sein Weg über so manche Showtreppe. Zwischen diesem ersten Blutlecken im Theater und heute liegen inzwischen 40 Jahre.

Eines war gleich klar: sein Vater war schon mal gegen die Ambitionen des Sohnes. Die Mutter auch. Der Junge sollte etwas Ordentliches werden. Kein Schauspieler oder Musikus. Das klang ja gleich nach Luftikus. Lehrer! Das wär`s gewesen! Der Meinung war zumindest sein Vater – der Leiter der Verkehrspolizei im hohen Norden. Einen bodenständigen Beruf, der das tägliche Brot garantieren würde. Das sollte es sein. Bestimmt nicht die Bühne! Manchmal haben Väter einfach Pech…
Gegen die Gene können auch sie nichts ausrichten – besonders nicht, wenn sie von Seiten der Mutter kommen.

Opa war Musiker und wohl der erste Mentor

Gleich hinter dem Deich in Glückstadt, da wohnte er. 180 Lieder hat er komponiert und veröffentlicht. Dem Enkel gibt der Komponist aus Glückstadt Klavierunterricht und paukte ihm die Grundbegriffe der Harmonielehre ein.

Auch Plattdeutsch war immer um Rüdiger Wolff herum. Nicht, dass er die Sprache sprechen durfte – sie war ja nicht fein genug und schien so bildungsfern. Jedenfalls für die anderen. Nicht für Rüdiger Wolff. Ihn faszinierte diese Sprache seiner Umgebung, fand sie unheimlich schön mit all ihren Aphorismen und Metaphern. Platt ist nicht platt. Platt ist lyrisch, bildhaft, hört sich für ihn toll an. Die Vokale klingen, geben Resonanz beim Singen.

Musik und Gesang mit guten Texten – dafür schlug sein Herz schon früh. Mit 16 wollte er Troubadour werden. Da war handfester Krach im Elternhaus vorprogrammiert. Trotzdem: Der Weg musste gegangen werden. Notfalls allein. Eine schauspielerische Ausbildung und die musikalische Weiterbildung wurden durchgezogen. Und dann kam der Moment, in dem er sogar Platt schnacken durfte: die Schwiegermutter hatte Geduld und ermunternde Worte. Jedenfalls, was die Sprache anging. Die Schauspielerei? Na ja… Schauspieler… Inge Meysel und Joachim Kuhlenkampff, die kannte man ja. Aber den Schwiegersohn Rüdiger Wolff? An Widerständen kann man wachsen. Er hat es bewiesen.

Umwege bestimmen sein Leben. Das Radio macht den Anfang: Radio Hamburg, NDR-Hörfunk und schließlich das Fernsehen. Die „Aktuelle Schaubude“ machte ihn bekannt. Eine gute Zeit, aber auch nicht wirklich die Erfüllung. „Nur“ Moderation? Das war auf Dauer zu wenig. Da kam die Sendung „Wunderschöner Norden“ schon viel mehr entgegen. Endlich durfte er neben der Moderation auch singen und auch mal Klavier spielen. Das war es. Sich endlich mit allen Talenten ausleben. Endlich zurück zu den Wurzeln: der Musik und dem Gesang.

Die Zeit der Umwege liegt hinter ihm

Nach vielen Jahren Radio und Fernsehen steht er nun endlich da, wo er eigentlich immer hin wollte: auf der Bühne. Mit Musik. Opas Harmonielehre wird fast täglich gebraucht. Für die eigenen Vertonungen von Texten, die Erich Kästner und Kurt Tucholsky geschrieben haben. Die trägt Rüdiger Wolff gern vor. Auch an gewichtigen Orten. Zum Beispiel am Mahnmal für Holocaustopfer am Brandenburger Tor in Berlin. Da gehören Kästner-Texte auch hin. Hat er in den 20er Jahren doch vieles vorausgesehen, das später auch eintraf. Rüdiger Wolff bewundert diesen klugen, weitsichtigen und visionären Mann, der früh vor dem braunen Terror gewarnt hat. Wer ihm damals zugehört hat, konnte hinterher nicht sagen, er hätte nichts geahnt. Rüdiger Wolff hält diese Texte gern lebendig.

Und dann sind da noch die vielen Liedertexte aus der eigenen Feder. Aber die müssen sie Tiefgang haben, etwas erzählen. Er trägt sie vor oder gibt sie auf CD weiter. Auch Wilhelm Busch und Theodor Storm haben es ihm angetan. Rüdiger Wolff liest gern – mag den Kontakt zum Publikum. Die Leute danken es ihm.

Man bucht ihn.

Auch für die Bühne. Bald ist er neben Heidi Mahler im Ohnsorg-Theater zu sehen. Er spielt einen Ehemann, der kurz vor der Silberhochzeit merkt, dass die Heirat durch einen Formfehler gar nicht gültig war. Beate Kiupel ist in dem Stück seine Ehefrau – oder eben auch nicht.

Rüdiger Wolff freut sich schon darauf. Texte lernen fällt ihm leicht und macht Spaß. Er ist angekommen. Endlich. In seinem Leben mit Musik, Gesang und Schauspielerei. Inge Meysel kennt man. Ja. Aber Rüdiger Wolff ist auch kein Unbekannter geblieben.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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