Stapellauf für ein maritimes Literaturfestival in Flensburg!

Unser Autor Detlef Jens hatte da mal eine Idee. Eine fixe Idee, fanden viele. Dann haben die anderen sich anstecken lassen. Das Ergebnis kann sich sehen – oder besser – hören lassen. Flensburg freut sich auf das 1.Maritime Literaturfestival! Was gehört dazu, wenn man so ein Projekt auf die Beine stellen will? Detlef Jens:

Die besten Gedanken kommen mir meist am Meer, besser noch auf dem Meer oder wenigstens am Hafen. Manchmal komme ich dort auch auf verrückte Gedanken. Vor allem, wenn der Hafen so schön und romantisch ist wie der meiner neuen Lebensabschnittsheimat Flensburg. Diese charmante alte Seefahrerstadt mit ihrer langen, maritimen Geschichte hat einen wunderbaren und höchst lebendigen historischen Hafen mit einem Anleger für klassische Yachten, einem großen und sehr aktiven Museumshafen mit ehemaligen segelnden Berufsfahrzeugen sowie dem Salondampfer „Alexandra“ und dem Kümo „Gesine“. Dieser Hafen also ist schuld, denn der brachte mich auf die verrückte Idee: Dies wäre der perfekte Ort für ein maritimes, besser noch: ein schwimmendes Literaturfestival.

Dazu muss ich sagen, dass ich Bücher liebe, vor allem maritime und ebenso Lesungen, wenn sie denn nicht so tierisch ernst sind. Und Schiffe sowieso. Ein Fest der maritimen Literatur, das wäre doch etwas. Und weil so etwas nicht von alleine passiert, dachte ich, ich könnte doch mal… tja, und nun ist es also so weit.

Ich habe mich dann also mal herausgelehnt aus dem Fenster – weit hinaus. Mich festgelegt. Ein Zurück gab es schon lange nicht mehr. Habe hier in Flensburg aber auch viel Hilfe und Ermunterung und noch mehr Hilfe bekommen beim Organisieren dieses ersten Flensburger Literaturfestivals, das nun also tatsächlich im Hafen und an Bord alter Schiffe stattfindet. Thore Feddersen, Ulf Hansen, Karsten Schachne, Torge Korff zum Beispiel haben viel zum – hoffentlich(!) – Gelingen beigetragen; Frank Petry und Martin Schulz vom Historischen Hafen sowieso und auch Dr. Thomas Overdick, der Chef des wunderschönen Schifffahrtsmuseums in Flensburg; ebenso wie die begeisterten und begeisternden Leute von der Agentur Hochzwei in Sonwik. Aber auch aus dem fernen Hamburg kam Hilfe, von Klaas Jarchow, von Christianne Nölting und von dem Organisator des großartigen Harbour Front Literaturfestivals, Nikolaus Hansen, der, ganz am Anfang, wichtige Tipps und -das war besonders wichtig- aufmunternde Worte beisteuerte.

„Das Meer hat viele Ufer“, sagte er und schenkte mir damit gleich mal ein Motto meines neuen Lesefestes. Und ich finde, ja, die Ufer entlang der Flensburger Förde sind besonders schön. Dennoch möchte ich auch viele andere zeigen und dazu hole ich die Geschichten hierher. Geschichten über die See, über die Schiffe und die Menschen an den Gestaden und an Bord. Gelesen und sich getroffen und auch gefeiert wird also während des Literaturboot Lesefestes auf den zwei alten Schiffen im Hafen, im Laderaum der „Gesine“, einem alten Kümo, und im Salon oder auf dem Achterdeck der „Alexandra“, dem schwimmenden Wahrzeichen Flensburgs, einem wunderbaren Salondampfer von 1908. Besonders dankbar bin ich, dass sich wirklich tolle Autorinnen und Autoren angesagt haben – obwohl dies das erste Literaturboot-Festival und das erste überhaupt von mir organisierte, ja durchaus auch ein Abenteuer, wenigstens ein Experiment ist.

Vom Gelingen bin ich nun fest überzeugt, die Resonanz in Flensburg „und umzu“ spricht für sich. Vor einigen Monaten, als es noch nur wenig mehr als eine fixe Idee war, sagte mir Nikolaus Hansen über einem Bier in Hamburg: „Aus solchen Anfängen wächst meist etwas Großes!“ Und auch wenn es wohl niemals so groß werden wird, wie das „Harbourfront Literaturfestival“ in Hamburg, das von ihm organisierte Lesefest von Weltrang, so hoffe ich doch, dass sich das Literaturboot-Festival hier in Flensburg etablieren und wachsen wird, in dieser auch kulturell höchst lebendigen deutsch-dänischen Region, am Übergang von Deutschland zu Skandinavien, in einer Gegend mit politisch wechselvoller, doch durchgehend maritim geprägter Geschichte.

Und dies sind die Protagonisten: Einer ist Journalist und Autor und Segler, der auf seinem alten Holzboot wohnt, durch die Gegend segelt und darüber wunderbar geschrieben hat (Marc Bielefeld). Der andere ist Drehbuchautor und Romanschriftsteller und auch Segler, Regattasegler, ehemaliger Weltmeister sogar und hat zwei ganz packende Segelthriller geschrieben (Jan von der Bank). Die nächste ist, na klar, auch Seglerin, jedoch nur auf langen Törns über die Meere, sie ist Schriftstellerin und eine der „Königinnen des Poetry-Slams“ und Literaturveranstalterin und überhaupt hyperaktiv und oft auf Reisen, sie hat ein fantastisches Buch über die legendäre Nordwestpassage geschrieben (Tina Uebel). Dann gibt es noch zwei, eine Schriftstellerin und einen Schriftsteller, die eine gewisse, sagen wir geistige Nähe zum Meer haben, die aber selber nicht so sehr gerne darauf herum fahren – aber natürlich ganz hervorragende Bücher schreiben, die ebenfalls ihren Bezug zum Meer haben (Claudia Rusch und Jan Christophersen). Außerdem ist da noch der Shipspotter. Er liebt die großen Schiffe, die täglich auf dem Fluss vor seinem Haus vorbei ziehen und fotografiert sie. Tausende Bilder hat er und daraus einen prachtvollen Bildband gestaltet und eine Bildershow, die er hier in Flensburg vorführt (Thomas Kunadt). Eine ist Journalistin und liebt den Norden, das Meer und das Segeln und trägt Texte großartiger Künstler des Meeres vor (Christianne Nölting). Noch einer ist Archäologe und ein ehemaliger Direktor des Museums für hamburgische Geschichte und selber natürlich auch Segler und schreibt über die Zeiten des Klaus Störtebecker (Jörgen Bracker). Eine Berlinerin erzählt und singt Kindergeschichten vom und aus dem Meer (Nicole Bernard) und dann sind da, last not least, die Autorinnen und Autoren des Flensburger Autorenkreises, die qua Wohnort schon ihren Bezug zum Meer haben. Alles in allem eine tolle Crew, die sich da während unseres schwimmenden Lesefestes an Bord der alten Schiffe des historischen Hafens begibt!

Hier nun das komplette Programm des Literaturboot-Lesefestes:

Donnerstag, d.12. 9.: Eröffnungsabend im Schifffahrtsmuseum, für geladene Gäste.

Freitag, d.13.9.: Die Schiffe laufen nicht aus – wegen des Datums, kein Seemann würde freiwillig an einem Freitag, den 13. auslaufen – aber auch, um nicht vom Lesen abzulenken.

15.00 Uhr: Kinder-Erlebnis-Lesung (3 bis 7 Jahre) „Die kleine Seenadel“, im Schifffahrtsmuseum

16.00 Uhr: Lesung Autorenkreis, an Bord MS Alexandra

18.00 Uhr: Bildershow „Shipspotting“ mit Thomas Kunadt, Schifffahrtsmuseum

18.00 Uhr: Lesung von Marc Bielefeld („Wer Meer hat braucht weniger“), MS Gesine

18.00 Uhr: Lesung von Christianne Nölting („Alles, außer Kuttel Dadeldu“), MS Alexandra

20.30 Uhr: Lesung von Jan von der Bank („Hundewache“, „Die Farbe der See“), MS Alexandra

20.30 Uhr: Lesung von Jan Christophersen an Bord MS Gesine

Sonnabend, d.14.9.: Die Schiffe laufen immer noch nicht aus, vom Datum her wäre es nun zwar ungefährlich, vom Lesen aber lenkt es immer noch ab.

15.00 Uhr: Kinder-Erlebnis-Lesung (3 bis 7 Jahre) „Die kleine Seenadel“, im Schifffahrtsmuseum

16.00 Uhr: Lesung Autorenkreis, an Bord MS Alexandra

16.00 Uhr: Lesung von Jörgen Bracker (Romane aus Störtebeckers Zeit), MS Gesine

18.00 Uhr: Bildershow „Shipspotting“ mit Thomas Kunadt, Schifffahrtsmuseum

18.00 Uhr: Lesung von Jan von der Bank („Hundewache“, „Die Farbe der See“), MS Alexandra

18.00 Uhr: Lesung von Claudia Rusch („Zapotek und die strafende Hand“), MS Gesine

20.30 Uhr: Lesung von Christianne Nölting („Alles, außer Kuttel Dadeldu“), MS Alexandra

20.30 Uhr: Lesung von Tina Uebel („Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt“), MS Gesine

 

Karten für alle Lesungen:

Können auf www.literaturboot.de/literaturboot-festival vorbestellt werden, in Flensburg gibt es sie außerdem bei Bücher Rüffer (Am Holm 19 – 21) und im Schifffahrtsmuseum. Die Karten kosten pro Lesung 5 Euro; die Kinderlesungen und die des Autorenkreises kosten 3 Euro.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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