Der norddeutsche Knigge – Kapitel 12: Lässig im Ausland

Wenn Du mal ins Ausland musst, denn hilft dat allens nix. Denn musst Du Dich an die wichtigste Regel halten: Du musst Dich anpassen, anpassen und nochmal anpassen. Und dat am besten ab Frankfurt. Immer schön mit der Nase im Wind. So wie die Möwe mit ihren Schnabel.

Ungefähr von Frankfurt an hast Du ja auch Zeit da mal richtig über wat nachzudenken. Hast alle Deine Eibrote mit viel Majonäse und wenig Salat weggemampft, nochmal gekuckt, ob auch wirklich allens Wichtige in Dein Brustbeutel drinnen ist. Korrekt muss sein. Wat mutt, dat mutt. Un hast ja auch schon `n büschen Strecke achter Dir. Vor Dir aber auch. Besonders, wenn Du vielleicht mal nach Rom willst. Auch die Evangeelschen aus`n Norden wolln ja mal den Papst besuchen. Kann ja nicht schaden. Man weiß nie, wo dat mal für gut ist.

Nu kuck man erstmal raus und lob die schönen Häuser.

Die Armen da können ja nix dafür, dat die hier alle Putz haben müssen und nich so schöne rote Mauersteine haben dürfen. Dat kannst ja mal dem Frankfurter Würstchen sagen, dat gerade eingestiegen ist und nach München will. Wat? Der kuckt uninteressiert weg und zieht `n Flunsch? Gar nich ignorieren! Da kann der nix für. Der interessiert sich einfach nicht so für alles, wat neu auf ihn zukommt. Dat liegt auch an der Gegend wo der herkommt. Da sieht man ja nix. Überall so Erdhaufen, wo Bäume und Gras auf wachsen. Dat nennt der Berge und Hügel. Da kann der sich ja nich für neue Menschen interessieren. Der sieht den Besuch nich so wie wir in`n Norden drei Tage bevor der da ist. Wir legen die Hand an die Stirn, kucken stur geradeaus und wissen, auf wen wir uns einstellen müssen. Dat bringt Vorsprung. Auch in der Freundlichkeit. Grins ihn man noch `n büschen an. Denn taut der bestimmt noch auf. Er zeigt ja schon nach draußen un sacht, da is`n berühmtes Schloss zu sehen. Kuck man auch hin und lob dat man mal. Kannst ja sagen, dat dir dat leid tut, dat die hier so zugige Häuser haben. Groß is dat Ding ja auch. Da hat die ganze Mischpoke drin Platz. Wenn dat man gut geht.

Wat? Der spricht schon wieder nich mehr mit Dir?

Dabei hast Du nur höflich die Wahrheit gesagt? Scheunen Schiet! Denn halt man bis Rom den Sabbel. Dat wird noch schwer genug, sich da anzupassen. Und dat will man als Tourist ja unbedingt. Wer will schon als norddeutschen Dorfdussel in`t Gästebuch von`n Vatikan berühmt werden?!

Und die Kirchen sind hier ja so schmuck.

Die hat der Michel Angelo ganz schön lange bunt angemalt. So ein kennst Du ja auch bei Dir Zuhause. Der heißt auch Michel, aber hinten Müller und der hat die Wände nicht drinnen angemalt, sonnern draußen. Und da hat der kein Geld für gekricht. Im Gegenteil. Der Dorfscheriff hat ihm da ´ne ganz schön saftige Strafe für aufgebrummt. Der fand dat echt nich gut, dat dat Wartehäuschen vonne Bushaltestelle mit mal so bunt war. Un er hat dem Michel Müller richtig aufgelauert, bis er ihn hatte. Unser Scheriff muss sich in den kalten Novembernächten so alleine an der Bushaltestelle von unsern Dorf ganz schön Frostbeulen geholt haben. Gut, dat der nu nich mit nach Rom gefahren is. Wenn der nach guter alter Manier dem Michel Angelo auflauern wollte, bräuchte er Sitzfleisch bis zum heiligen Sankt Nimmerleinstag. Un er würde ihm auflauern wollen! Schließlich hat dieser Michel Angelo ganz schön viel nackelige Haut gemalt. Un da kann unser Scheriff gar nich mit um. Hat man ja gesehn bei den Bildern von Michel Müller anne Bushaltestelle. Dabei waren dat bloss Mickey Maus und seine Freundin Minnie die da wohl grade mal Triebe mit Hiebe gut fanden. Viele aus`n Dorf kannten so`ne Kunst noch nich. Die haben sich dat auch sehr gründlich angekuckt. Na ja. Is ja auch egal.

Von so viel kucken kricht man Hunger.

Such Dir man was aus, wat die Leute hier so essen. Man soll da weltoffen sein. Wie? Du weißt nicht, wat Du nehmen sollst? Denk doch mal an Deinen Freund Mario letztens auf`m Rummel. Der hat doch ´ne italienische Oma. Ist also ein Quasi-Italiener. Der kennt sich doch aus mit der Küche von de Italiener. Geh also hin und bestell Dir dat gleiche wie er damals: `n ordentlichen Döner! Dat schmeckt nich nur gut. Dat zeigt auch den echten Italien-Kenner in Dir. Du weißt, wat an so `ne Reise echt an`n wichtigsten is: anpassen, anpassen, anpassen!

 

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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