Mörderisches Lebensglück

Mit Mamma Carlotta hat Gisa Pauly ihren großen Coup gelandet. Die humorigen Sylt-Krimis rund um die italienische Hobbydetektivin verkaufen sich bestens. Die Autorin berichtet über Schreiblust, die Liebe zu Italien und ihren turbulenten Abschied aus dem Schuldienst. Und sie verrät, wie sie ihren Gatten in einer vollautomatischen Parkgarage versenkte.

Das ZDF hat „Hier!“ geschrien. Gisa Pauly ist erfreut und besorgt zugleich. Denn sie liebt ihre agile Mamma Carlotta und den gemächlichen Erik und die anderen Originale ihrer Sylt-Krimis. Wann Mamma Carlotta über den Bildschirm branden wird, steht bislang genauso wenig fest wie die Besetzung. „Ich habe Angst, dass da eine falsche Entscheidung getroffen wird. Mamma Carlotta strahlt viel Wärme aus und ist so positiv. Das muss die Schauspielerin rüberbringen können“, meint Gisa Pauly und setzt ihre Cappuccinotasse langsam ab.

Vor sechs Jahren ermittelte ihre italienische Hobbydetektivin zum ersten Mal. Inzwischen hat Mamma Carlotta mit Witz und Intuition sieben Fälle gelöst und dabei das friesische Gemüt ihres Schwiegersohnes deutlich strapaziert. Diese Grundidee hat sich für die Autorin als Volltreffer erwiesen. Ihre Krimis landen inzwischen zuverlässig in den Bestsellerlisten. „Ich hatte gleich ein gutes Gefühl, als ich Mamma Carlotta erfunden habe. Der heitere Grundton ist mir gut gelungen und ich habe das Buch schnell verkauft“, erinnert sie sich. Die Figur der Mamma Carlotta hat sie zuerst entwickelt, ihr setzte sie Hauptkommissar Erik Wolf entgegen. Eigentlich sollten sich die beiden in Flensburg kabbeln, doch dann kam die Idee mit Sylt, „weil Flensburg einfach nicht so spannend ist“, findet Pauly.

Leserpflege ist für Gisa Pauly sehr wichtig. Mit ihren aktuellen Büchern veranstaltet sie Lesungen im ganzen Land.

Die Lust am Morden

„In die Krimischiene bin ich eher zufällig gerutscht“, sagt die 66-Jährige, die seit einem Jahr Präsidentin der „Mörderischen Schwestern“ ist. Dieser Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen gehören sowohl erfolgreiche Schriftstellerinnen wie Ingrid Noll als auch Gelegenheitsautorinnen an. Unter dem Motto „Wir lieben Krimis!“ tauschen sie sich aus und unterstützen einander.

„An Krimis gefallen mir die klaren Strukturen und die klaren Linien in den Ermittlungen“, sagt Gisa Pauly. Auch wenn so ein Krimi am Schreibtisch konzipiert wird und zum großen Teil Handwerk ist, schreibt der Zufall manchmal mit. Wie bei Paulys aktuellem Krimi „Kurschatten“. Da findet nämlich ein Mord in einer vollautomatischen Parkgarage statt, der sein Vorbild in der Realität hat. Die Autorin entsorgte nämlich beinahe – natürlich versehentlich – ihren eigenen Ehemann in so einer modernen Anlage. „Die Klappe ging auf und das Auto verschwand mit meinem Mann darin in einer Bodenöffnung. Dann ging die Klappe zu“, erinnert sie sich mit einem Grinsen und sticht ihr Messer ins Frühstücksbrötchen.

Lehrerfrust und Schreiblust

Als Berufsschullehrerin ärgerte sie sich in den 90er-Jahren immer mehr über ihren Job. Darüber, dass der Leistungswille der Schüler immer weiter abnahm und die Lehrer dem nichts entgegensetzten. Und darüber, dass sich die Schulen in erster Linie um ihren Ruf und weniger um ihre Schüler kümmerten. Mit ihrer eigenwilligen, asymmetrischen Brille auf der Nase wirkt Pauly für einen kurzen Moment streng. Doch dann kehrt ruhige Freundlichkeit in ihre Züge zurück. Sie erzählt, dass sie Kontakt zu diversen Verlagen aufnahm, journalistisch und schriftstellerisch tätig wurde und sich so ein zweites Standbein aufbaute. „Vom Schreiben leben zu können, war lange mein Traum“, sagt sie. 1993 machte sie mit der Schule Schluss. Sie quittierte den Dienst und schoss ihr erstes Buch nach: „Mir langt’s. Eine Lehrerin steigt aus“. Diese Abrechnung mit dem Schulsystem brachte ihr Ärger mit ihrer Schule ein, aber auch Anerkennung und jede Menge Medieninteresse. „Noch Jahre später standen Sender wie RTL immer wieder auf der Matte, sobald es irgendwie um Schule ging“, sagt Pauly.

Unwillige Lehrer und Schüler gingen Gisa Pauly mächtig auf den Geist. Die Lehrerin quittierte den Dienst und wurde stattdessen Autorin.

Hannelore Elsner in Sorge

Die Schulgeschichte ist lange vorbei und Gisa Pauly hat seitdem viel geschrieben. Nicht nur Krimis, sondern auch historische Romane, zuletzt „Sturm auf Sylt“. Außerdem Drehbücher für Telenovelas wie „Sturm der Liebe“, Stories für Anthologien und Kindergeschichten. Wenn die Autorin ihre ganzen Projekte aufzählt, blitzt das Arbeitstier in ihr auf. Um das in den Griff zu bekommen, brauchte sie prominente Unterstützung. Im Januar vor drei Jahren saß sie einsam in ihrer Wohnung auf Sylt und schrieb einen historischen Roman. Als unerwartet noch ein Drehbuchauftrag in Haus schneite, waren mehr als fünf Stunden Schlaf nicht mehr drin. Der Zeitdruck war zu groß. Irgendwann schaltete sie den Fernseher ein, in dem Moment drehte sich Hannelore Elsner zu ihr und sagte mit besorgtem Gesicht: „Du gefällst mir gar nicht, du siehst abgespannt aus. . .“ „Der Werbespot sprach direkt zu mir. Da merkte ich, dass ich was ändern muss.“

Das volle Lebensglück

Jetzt geht Gisa Pauly es ruhiger an. „Es soll einfach eine Weile so weitergehen. Größer und mehr wünsche ich mir gar nicht. Ich habe das volle Lebensglück“, sagt sie und erzählt von ihren zwei Kindern und ihren Enkeln. Und von ihrem Ehemann, mit dem sie noch ein paar Urlaubstage ganz ohne Arbeit auf Sylt verbringen will. Im September geht es für die Münsteranerin für einen Monat in ihre dritte Heimat, die Toskana. „Ich muss einmal im Jahr nach Italien fahren. Das Fröhliche, Laute und Lärmende. Wenn die Oma des Hauses einfach auf der Treppe herumsitzt, ich liebe das!“ Und das Glück sprudelt aus ihr heraus wie der Charme aus ihrer Mamma Carlotta.

Über Katharina Petzholdt

Katharina Petzholdt

Angedockt im Norden mit einer Vorliebe für Franz- und Fischbrötchen, Elbblick und spröden Humor. Alltag in Blankenese, Auszeit auf Amrum.

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