Die Last mit der Krabbe

Sie hat zwar keine Haare auf den Zähnen, dafür umso mehr auf den Scheren: die Wollhandkrabbe. Eigentlich war sie mal in China Zuhause, ist dann aber zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als blinder Passagier auf Frachtschiffen bei uns eingereist. Um hier noch mehr als hundert Jahre später die Fischer zu ärgern.

Ins Netz gegangen.

Auf dem Elbgrund fühlen sie sich wohl. Dort suchen sie nach Muscheln, Schnecken, Insektenlarven und Wasserpflanzen – bis sie auf dem Weg in eine Reuse gelangen. Sehr zum Ärger der Fischer, denn mit ihren scharfen Scheren durchkneifen sie so manches Netz, das dann wieder mühsam geflickt werden darf. Kein Fischer will sie hier haben. Sie schmeißen sie dorthin zurück, wo sie herkommt: ins Wasser. In China hingegen, von wo das Tier einmal gekommen ist, gehen die Bestände zurück. Nach und nach wird ihnen dort der Lebensraum genommen, zum Beispiel durch Flussbegradigungen, Wasserverschmutzung oder Überfischung.

Auch wenn die Wollhandkrabbe als erwachsenes Tier das Süßwasser bevorzugt, braucht sie im Laufe ihres Lebens immer wieder das Salzwasser. Nun, im Spätsommer, wandern die erwachsen werdenden Tiere Richtung Nordsee. Bis zu 12 Kilometer am Tag können sie dabei schaffen. In der Mündung der Elbe wird sich dann gepaart. Die Männchen sind meist zuerst vor Ort. Nach der Befruchtung der Eier tragen die Weibchen die Brut ungefähr vier Monate bei sich. Sie wandern zurück ins Süßwasser, geben die Eier ab und sterben. Jedes Weibchen pflanzt sich nur einmal fort. Die Männchen wandern nicht zurück ins Süßwasser.

Die Vorgänger brachten die kneifenden Krabbler mit.

Wenn doch nur eines dieser Schiffe die ungebetenen Einwanderer wieder mit in Richtung Osten nehmen würde, mag sich so mancher Fischer denken. Und nicht nur ihm bringen diese Krustentiere Schaden. Sie graben sich Wohnhöhlen und Gänge in Uferpartien und richten auch hier Schaden an. Da die gepanzerten Krabbler keine natürlichen Feinde haben, können sie sich scheinbar grenzenlos ausbreiten. So manch ein Chinese mag von dieser Krabbendichte träumen. Im Land der aufgehenden Sonne landen sie kurzerhand auf dem Teller und gelten als Delikatesse – verkehrte Welt könnte man das nennen. Was hier verhasst ist, wird dort zum Teil in Aquakulturen gezüchtet.

Geht eine Schere verloren, wächst sie nach.

Eine kneifend, knifflige Angelegenheit ist das mit den Wollhandkrabben. Sie verstopfen Reusen, die Wandertreppen für Aale, fressen Köder, sind eine Plage. Chinesen sehen das mit Unverständnis. Werden die Krabbler dort doch als Feiertagsessen serviert. Aber so ist es nun einmal. Die Norddeutschen freuen sich mehr über einen schönen Aal auf dem Teller. Aber dem frisst die Wollhandkrabbe gern das Fressen weg: die Muscheln und Schnecken. Vielleicht sollten wir uns einfach ein paar Rezepte aus der chinesischen Küche abgucken.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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