Fischer Breckwoldt und die dicken Aale

Es ist bummelig 9.00 Uhr morgens. Die Elbe hat auflaufendes Wasser. Fischer Breckwoldt tuckert langsam aus dem Mühlenberger Hafen und setzt Kurs auf seine Reusen. Eigentlich muss er gar keinen Kurs setzen. Er kennt seine Wege im Schlaf. Sein Boot wahrscheinlich auch. Sie liegen ja auch praktisch um die Ecke.

Der Weg ist nicht weit. Rote Bojen markieren seine Netze. Geschickt lenkt er sein kleines Motorboot dorthin. Der Fischer ist gespannt, was heute in den Reusen zappelt. Davor muss er tüchtig hieven.

Und rein ins Boot!

Walter Breckwoldt weiß genau, was alles so auf dem Elbgrund, gründelt, krabbelt und schwimmt. Er kennt sich aus. Schließlich fischt er schon seit über 40 Jahren dort.  So wie viele in seiner Familie vor ihm. Was für den Großvater noch Brotberuf war, ist für den 77 Jahre alten Enkel geliebtes Hobby. Sein Opa hatte noch einen Fischewer – mit der Kennzeichnung SB 66. SB stand für Schleswig/Blankenese. Da war er aber noch nicht mit von der Partie, sagt Walter Breckwoldt: „Dor heff ik noch bi mienen Vadder in´n Sack hoppst!“ Walter Breckwoldt mag sagen, was er denkt. Dafür mag man Walter Breckwoldt… Auf alle Fälle liegt die Fischerei im Blut.

Fast wie eine Wundertüte!

Letztens hat sein Freund einen Karpfen von 25 Pfund gefangen. Ehrlich wahr! Kein Anglerlatein! Das sind aber die großen Ausnahmen. Gern verirren sich Meerforellen, Butt, Barsche und Weißfische in seine Reusen. Ganz selten ist auch mal ein Hecht dabei. Immer wieder geraten Wollhandkrabben in seine Netze. Die sind 1902 im Ballastwasser von großen Schiffen eingeschleppt worden. Warum gerade 1902? Das weiß Walter Breckwoldt nicht mehr. Das steht irgendwo geschrieben und da hat er das eben gelesen. Und behalten.

Der kleine Zander darf noch mal zurück in die Fluten.

Wer zu klein ist, der kommt wieder in die Elbe. Der muss noch wachsen. So wie dieser kleine Zander. Da passt Walter Breckwoldt penibel auf. Als lütt Buttjer ist er schon mit der Angel unterwegs gewesen. Der Vater von einem Freund hat ihm schließlich beigebracht, wie man Netze knüpft, sie aufstellt und fachgerecht fischt. Natürlich hat er dann alle nötigen Scheine gemacht. Muss ja sein. Und dann hat er viel über alles gelesen, was Flossen hat und in der Elbe schwimmen könnte.

Da ist ein dicker Brocken drin!

Heute hat der Hobbyfischer Glück! Da ist ein dicker Aal! Er hat aber auch schon einen längeren gefangen. „Der sah schon fast eher wie eine Schlange aus“, meint Walter Breckwoldt. Wie lang der genau war, weiß er nicht. Schließlich trägt er nicht immer ein Metermaß mit sich rum. Er hat den Aal einfach an sich herunter gehalten und gesehen, dass er bis zur Unterkante von seinem Hosengürtel reichte. Der muss also einen guten Meter gehabt haben. Man muss sich einfach zu helfen wissen.

Rin in de Tünn!

Von Mai bis Ende September ist Walter Breckwoldt unterwegs. Jeden Morgen macht er sich auf den Weg zu seinen Reusen. Alle zwei Wochen schmeißt er die Räuchertonne an. Vorher hat er die Fische 12 Stunden lang in einer Lake liegen gehabt. Das Rezept stammt von ihm. Das kennt nicht einmal seine Frau. Dann gehen die Fische in den Rauch – um hinterher schnell weg zu sein. Wo geräuchert wird, sind die Leckermäulchen nicht weit.

Aal für Tonne und Pfanne 

Wer in Blankenese wohnt und Breckwoldt heißt, hat Bezug zur Fischerei. Oder hat ein Boot. Oder beides. Oder er kann von jemandem aus der Familie erzählen, der mit Fischen um kann oder ein Boot hat oder beides. Auch wenn das Fischen nur ein Hobby ist. Walter Breckwoldt ist von Beruf Feinmechaniker und Modellbauer geworden. Aber davon erzählt er jetzt noch nichts. Das ist eine andere Geschichte…

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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