Das neue Grün ist schwarz!

In Sachen Wiederverwertung stehen die Deutschen europaweit mit an der Spitze. Das zeigt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EFA). Dass Verpackungen aller Art wie Dosen, Plastik- oder Glasflaschen und vieles mehr kein Müll, sondern wertvolle Rohstoffe sind, ist längst in den meisten Köpfen angekommen. Aber wie sieht es mit einer kaputten Straße aus, die löchrig wie ein schweizer Käse Stoßdampfer, Bandscheiben und menschliche Geduld auf die Probe stellt? Dank neuer Verfahren können auch sie wiederverwertet werden. Eine Idee, made in Hamburg! Maximalrecycling ist das neue Zauberwort.

Laut dröhnt an Werktagen der schwere Lasterverkehr beidseitig über den Veddeler Damm. Sogar die Luft scheint dann zu vibrieren. Nur jetzt ist es ruhig. Kein Wunder, es ist Wochenende und sehr früh am Morgen. Eine gute Gelegenheit, der Straße eine neue Oberfläche zu geben. Es wird von der Hamburg Port Authority (HPA) vorausschauend gehandelt, bevor die böse Überraschung kommt und die Fahrbahndecke so kaputt ist, dass sie zu Hauptverkehrszeiten erneuert werden muss.

Alter Nachschub für neue Straße.

Was so normal scheint, ist ein sehr besonderer Vorgang, denn das abgefräste Gut kommt nicht auf den Müll. Es wird wiederverwendet – und zwar vollständig. Schließlich sind die im Belag enthaltenen Stoffe wertvoll. Das recyceln von Straßenbelag war lange Zeit nur bedingt möglich. Ein langer Entwicklungsweg mit neuen Technologien musste gegangen werden. Im Verlauf der Jahre wurde der Anteil an Asphaltgranulat im neuen Straßenbelag stetig gesteigert. Dieses Asphaltgranulat ist nichts anderes als gefräster und anschließend gebrochener, gesiebter und präzise analysierter alter Asphalt.

Klar zum Abfahren!

Frisch gefräst ist halb gewonnen. Es klingt einfach, birgt in der Praxis aber einige Tücken und Klippen, die genommen werden mussten. Asphalt setzt sich aus Steinen, Sand und Mineralstaub zusammen. Mit Bitumen werden sie „zusammengeklebt“. Stimmt das Bitumen nicht oder ist es alt, lassen Risse und Schlaglöcher nicht lange auf sich warten. Der Winter mit seiner Nässe und dem Frost legen dann letzte Hand an die Fahrbahn. Sie ist sehr schnell kaputt.

Vorbereitung für den neuen Einsatz: brechen und sieben.

Für die im Asphalt enthaltenen Steine ist ihre Liegezeit auf der Straße kaum so lang wie ein Wimpernschlag. Sie nutzen nicht ab. Anders verhält es sich mit dem Bitumen, dem Kleber – die wertvollste der Komponenten. Bei dieser Wiederaufarbeitung werden alle Altstoffe mit speziellen Zusätzen vermischt. Das macht den neuen Belag haltbar. Und das soll er sein.

Im Prinzip haben wir alles was wir an Straßen brauchen schon gebaut. Selten gibt es völlig neue Strecken. Statt dessen ist der Bedarf in Sachen Erhaltung und Ersatz von bestehenden Wegen hoch. Wo erneuert wird, muss zunächst rausgerissen werden.

Fräsgut vor dem Brecher

Aber wohin mit dem alten Fräsgut, wenn nicht einfach wieder auf die Straße? Fachgerechte Entsorgung ist teuer und strengen gesetzlichen Regelungen unterworfen. Maximalrecycling ist da das neue Zauberwort. Das alte Bitumen im ausgebauten Asphalt wird dazu mit ausgesuchten Ölen und Wachsen behandelt. Was Q10 für die menschliche Haut sein soll, sind diese Öle für die Straße. Nur, dass die Straßen wirklich glatt bleiben…
Ein zugefügtes Wachs erleichtert den Einbau des neuen Mischgutes, macht die zukünftige Straße haltbarer und wirkt Spurrillen entgegen.

Das hört sich so gut an, dass die Freie und Hansestadt Hamburg seit einigen Jahren mitverfolgt, was diese neue sowohl ökonomische als auch ökologisch sinnvolle Technologie leisten kann. Etliche Teststrecken wurden nach dem Maximalrecycling-Prinzip bereits gebaut – unter anderem wurde auch die Hamburger Mönckebergstraße so saniert.

Die HPA wünscht schon mal Gute Fahrt auf dem Veddeler Damm!

Der ultimative Härtetest ist aber nach wie vor der Veddeler Damm mit dem vielen Schwerlastverkehr. An zwei Wochenenden wurden die Lastspuren ausgebaut, aufgearbeitet und der neu bearbeitete Asphalt wieder eingebaut. Dieses Projekt gehört in die „Königsklasse“, denn diese Straße im Hamburger Hafen gehört zu den meist belasteten Strecken in Deutschland und der Welt. Sie ist der Weg für tonnenschwere mit Containern beladene LKW, die den Hafen in Richtung östliches Hamburger Hinterland verlassen.

Die Verwaltung des Hamburger Hafens (HPA) wird ein waches Auge auf diese Verbindung haben. Geht die Rechnung auf und hält der Belag was er verspricht, sind gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden. Wo Altasphalt benutzt wird, müssen keine Steine aus dem Harz oder gar Norwegen kommen. Das Bitumen wird wieder benutzt und auch das Verjüngungsmittel ist ein Recyclat. Es kann sowohl billiger als auch resourcenschonend mit weniger CO2 Emissionen gebaut werden. Eine schwarze Straße, die also eigentlich grün ist.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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