Ton-Tüftler

Unscheinbar sieht dieses kleine Häuschen in Stuhr bei Bremen aus. Doch hinter seinen Mauern verbirgt sich eines der größten Geheimnisse für wahre Gitarren-Freaks. Hier ist die Werkstatt von Andreas Kloppmann.

Ein paar Treppen hinauf und dann stehe ich erstmal in dem kleinen Musikladen, in dem zuhauf alte Liebhaberstücke stehen. Eine kleine, aber für den Kenner doch erlesene Auswahl. Begrüßt werde ich von Andreas Kloppmann und seiner „helfenden Hand“ Rainer Gaffrey. Beide bekennende „Gitarren-Freaks“. Ich bin also unter meinesgleichen.

Rainer Gaffrey prüft, was für Potential in dem Instrument steckt.

In der Szene hat er den Spitznamen „Daniel Düsentrieb“ inzwischen sicher. Wer ihn einmal besucht hat, weiß warum. Der Sound-Tüftler hat sich mit dem Klang alter E-Gitarren auseinandergesetzt und ist dabei dem alten Ton auf die Schliche gekommen. Eine Mischung aus Musiker, Pionier, Bastler und Wissenschaftler. So ist Andreas Kloppmann wohl am besten zu beschreiben. Auf jeden Fall mit Herz und vor allem mit seinen Ohren bei der Sache.

Jedes Bauteil klingt mit.

Für Gitarristen zählen, wie bei gutem Wein, nur ganz bestimmte Jahrgänge. So werden für bestimmten Gitarren aus den Jahrgängen 1958-1960 Beträge geboten, für die auch locker ein Einfamilienhaus mit Grundstück in bester Lage gekauft werden könnte. Aber klingen die denn wirklich anders? Definitiv ja!

Eine Grafik für jeden Tonabnehmer. Das versteht nur Düsentrieb selbst…

Guter Klang bei einer E-Gitarre ist das Zusammenspiel aus Holz und den richtigen Tonabnehmern. Im Gepäck habe ich meine geliebte Gibson Les Paul von 2003. Viele Auftritte und Nachtschichten am Fließband wurden damals geschoben. Dann war sie endlich meine. Keine echte 59er, aber heute soll sie zumindest am Ende so klingen. Wenig später landet sie auf dem OP-Tisch und wird „nackt gemacht“, wie es im Fach-Jargon heißt. Tonabnehmer und Kabel werden heraus gerissen und der Klang der Hölzer beurteilt.

Jetzt ist die Gitarre buchstäblich nackt.

Jetzt weiß Andreas Kloppmann was zu tun ist und vor allem woran es fehlt. Gute Bässe hat sie, ist aber etwas schwach in den Höhen. Sofort setzt er sich an seinen Bildschirm und sucht eine Frequenzkurve heraus, nach der ein spezieller Tonabnehmer gewickelt wird. Alles in Handarbeit. Denn so wurde es in den 50ern in den USA auch gemacht.

In Handarbeit wird der Draht auf die Spule des Tonabnehmers gewickelt.

Jetzt beginnt der Teil, bei dem Außenstehende wohl nur argwöhnisch drein schauen würden. Es gilt den richtigen Kondensator heraus zu hören. Ja sogar Kabel klingen alle anders. Freaks halt. Aber immer wieder schön „unter Verrückten“ zu sein. Das Ende kann sich hören lassen. Kein Wunder, dass Andreas inzwischen Kunden aus der ganzen Welt hat. Viele Besitzer solcher wertvollen Raritäten kommen nach Stuhr, um ihre Schätze aufwerten zu lassen.

Fertig! Andreas Kloppmann beim „Qualitäts-Check“

Die getigerte Lady aus diesem „Selbstversuch“ ist seit dem Eingriff im Studio und auf der Bühne immer erste Wahl. Warum? Weil sie auf einmal alles gibt… Gibson gibt`s…

Mehr Informationen:
kloppmann-electrics.de

Über Gerrit Hoss

Gerrit Hoss

Ich bin Musiker, Autor diverser Magazine und Radio-Journalist beim NDR. Ich mag es bunt und wohl intoniert. Deshalb klingt der Norden für mich am schönsten.

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