Mehr als Herzklopfen für Seeleute: Museumshäfen in Norddeutschland

Fender quietschen, Leinen knarren, Wellen schmatzen gegen Schiffsrümpfe. Der Strom fließt vorbei mit dem ablaufenden Wasser der Ebbe, die Geräusche des großen Containerhafens dringen herüber, Möwen kreischen. Eine davon bekleckst das Deck ihrer Namenscousine, des Besanewers „Moewe“.

Dies ist eines von vielen historischen Schiffen, das auch mit Gästen auf Törn geht. Im Sommer auf die Ostsee, zu den Matjes-Tagen nach Glückstadt oder zum Ewertreffen in den Hamburger Nikolaifleet. Die knapp 18 Meter lange „Moewe“ bietet hautnahen Segelspaß, das eine oder andere kleine Abenteuer inklusive. Sagt der Skipper, fügt jedoch gleich hinzu, dass die „Moewe“ ihre Crew stets wohlbehalten zurück gebracht hat. In den Museumshafen des Hamburger Vorortes Oevelgönne, wo sie dann zu besichtigen ist.

Vor gut 25 wurde dieser Museumshafen als erster in Deutschland eingerichtet und ist seither ein Publikumsmagnet. Neben rund 30 Traditionsseglern liegen hinter dem Anleger Neumühlen das Feuerschiff „Elbe III“, Schwimmkräne, Dampfbarkassen, Binnenschiffe und ein schwimmendes Café.

Drei Jahre später folgten enthusiastische Schiffsliebhaber in Flensburg dem Hamburger Beispiel. Der nördlichste Museumshafen Deutschlands gilt heute als der aktivste und öffentlichkeitswirksamste. Die jedes Jahr im Mai hier stattfindende Rum-Regatta ist die größte und bekannteste Veranstaltung für traditionelle Schiffe, rund 120 Segler versammeln sich dann auf der Förde zu einer Wettfahrt, bei der nichts so wirklich ernst genommen werden soll. Der erste Preis ist eher ein schlechter Scherz, der zweite Preis sind dann allerdings drei Liter Rum, die Gefäße zum wegtragen muss die Crew selber mitbringen.

Museumshäfen gibt es heute überall entlang der Küste, und nicht nur dort. In Berlin liegen am Märkischen Ufer, an der Spitze der Fischerinsel und neben der Mühlendammschleuse einige historische Binnenschiffe beisammen. Eine ständige Ausstellung im Laderaum eines der Schiffe informiert über die Geschichte der Binnenschifffahrt und die damit verbundene Entstehung der Stadt Berlin (Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober, täglich außer Montags von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr). Das „Deckshaus“ auf einem anderen Schiff ist ein nettes, rund ums Jahr geöffnetes Restaurant-Café. Der Hafen ist auch in die „Lange Nacht der Museen“ eingebunden.

Der Museumshafen von Emden befindet sich im Gewässer des historischen Ratsdelft in der Stadtmitte. Neben den Mitgliederschiffen liegen hier auch der außer Dienst gestellte Rettungskreuzer „Georg Breusing“ (Geöffnet von April bis Oktober, täglich 10 bis 13 und 15 bis 17 Uhr), das Feuerschiff „Deutsche Bucht“ und der hölzerne Heringslogger „AE 7“ (diese beiden sind ebenfalls von April bis Oktober geöffnet, zu besichtigen Montag bis Freitag von 10.30 bis 13 und 14.30 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 13 Uhr).
In Kappeln an der Schlei liegt der Museumshafen oberhalb der alten Schleibrücke direkt am Fluss. Ehemalige Fracht- und Fischereifahrzeuge sowie offene Boote liegen an der ehemaligen Pier vor der Nestlé-Fabrik an der Schlei.
Auch an einem Steg bei der Bunkerstation im Alten Hafen von Laboe liegen einige historische Schiffe. Vor vielen Jahren wurde hier auch der Museumshafen Probstei gegründet, 2006 zog er jedoch um nach Wendtorf, noch ein Stück weiter draußen am Ausgang der Kieler Förde.
Der Museumshafen von Lübeck befindet am Rande der Altstadt im Holstenhafen, hinter der Hafendrehbrücke aus dem Jahre 1900. Hier liegen seit über 15 Jahren die Traditionssegler und Museumsschiffe des Vereins, darunter auch ein Eimerkettenbagger, ein Binnenmotorschiff und ein Hafenschlepper.

Der Alte Hafen Wismar liegt direkt im Stadtzentrum und ist nicht zu verfehlen. Die Schiffe der Vereinsmitglieder bilden eine bunte Mischung, wie früher in vielen Häfen auch: ein Lotsenkutter unbestimmten Alters, ein Nordseekrabbenkutter von 1935, ein Saßnitzkutter aus der 50er Jahren, eine griechische Khajik von 1930, getakelt als Stagsegelschoner, je ein Nachbau einer niederländischen Lemsteraak und einer dänischen Jagt sowie ein kuttergetakeltes Poeler Netzboot. Einige der kleineren Schiffe liegen nicht in Wismar, sondern in Kirchdorf auf der Insel Poel. Im Sommer gibt es auch Mitsegelgelegenheiten für Tagestörns, gegen eine kleine Spende in die Bordkasse.

Diese Museumshäfen haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Sie tauschen sich aus und unterstützen einander gegenseitig. Im Internet findet man sie unter www.agdm.de.

Mehr Informationen:

(www.museumshafen.de)
(www.historischer-hafen-berlin.de)
(www.museumshafen-kappeln.de)
(www.museumshafen-probstei.de oder www.freunde-alter-schiffe.de)
(www.museumshafen-luebeck.de)
(www.alterhafenwismar.de)

Über Detlef Jens

Detlef Jens

Autor, Journalist, Blattmacher der Zeitschrift "Goose", Macher von literaturboot.de, viele Jahre als Liveaboard unterwegs, lebt mit Familie in Flensburg

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2 Meinungen über “Mehr als Herzklopfen für Seeleute: Museumshäfen in Norddeutschland

  1. moin moin,
    ich suche den Traditionssegler „Germania“ und habe gehört, sie soll in Emden liegen. Es würde mich freuen, wenn Ihr etwas über den Verbleib wisst.
    Mit freundlichen Grüssen, Eckhard Ahrens

    Ecki | | Antworten
    1. Christianne Nölting

      Lieber Herr Ahrens, das weiß ich so leider auch nicht. Falls ich es noch herausfinde, melde ich mich gern.

      Christianne Nölting | | Antworten

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