Fernweh und ‘n kühles Blondes

Es ist ein Schatz, da an der Elbchaussee. Eintreten und Staunen. Der Seeteufel ist ein Sammelsurium der Seefahrt, des Abstrakten und von zahlreichen Legenden. Wie ein kleines Museum ist die Gaststätte eingerichtet. Da staunst Du sogar auf dem Klo.

In Hamburg ist Seefahrer-Romantik bezahlbar geworden. Allerdings nur, wenn Du ´ne Million für ne Eigentumswohnung auf den Tresen legst. Für Normalsterbliche ist der Blick für immer von Glaspalästen der Besserverdienenden verbaut. Aber es gibt sie noch. Die Plätze, an denen das Gefühl noch echt ist. Du darfst nur nicht zu faul sein, sie zu suchen.

Von außen kaum als kleines Museum zu erkennen.

Der Seeteufel ist so ein Ort. Hier tummeln sich Kapitäne, Gestrandete, Arbeiter, auch mal Anwälte und vor allem eines: Hamburger. Keiner dieser Touristen-Magnete, wo du das Kurzzeit-Gefühl „Kurz mal Hamburg fühlen mit nem Astra für kleines Geld“ bekommst. Da hat Evi keinen Bock drauf.

Innen gibt es jedes Mal neue Sachen zu entdecken.

Benannt nach dem Buch „Seeteufel“ von Felix Graf von Luckner: „Hast Du den nicht gelesen? Der hat mit den Händen Telefonbücher zerrissen“. Und dann holt Evi auch schon eine Originalausgabe von 1921 ganz oben aus dem Regal. Luckners Onkel hat ursprünglich den Seeteufel hier eröffnet. Und sein Enkel kommt heute noch regelmäßig mit „Evis Jungs“. Denn Evi sponsort nebenbei noch eine Hockeymannschaft.
Wenn der Laden mal wieder aus allen Nähten platzt, dann sind sie vielleicht gerade auf ein Bier da.

Die Originalausgabe des Seeteufels in Evis Händen

Und wenn Du Evi auf die Nerven gehst, hast Du sowieso schlechte Karten. Andernfalls gibt es kaum einen Ort, wo Du Dich wohler fühlst. Und das ist viellicht das Geheimnis. Hier sind alle „irgendwie geradeaus“. Selbstdarsteller fliegen hier sofort auf. Denn das Schiff ist kein Club-Dampfer. Evis Schiff ist der Tresen. Mit Steuerrad und Galleonsfigur. Seit fast 25 Jahren ist sie durch so manche Stürme gefahren und dümpelte auch mal nur so übers blaue Meer.

Wirtin Evi weiß, was so ein kühles Blondes alles braucht. Vor allem Ruhe.

Viele der Sachen, die sich im Seeteufel finden, sind Geschenke. Alte Schiffsuhren, ein alter Fernsprechapparat und Geldscheine aus aller Welt. Kein Kitsch. Alles Stücke mit einer Geschichte. Gesammelt auf den Weltmeeren. Hier sorgen sie nun für Fernweh. Bei Menschen, denen diese Zeit zu schnell wird.

Längst keine Verbindung in die Heimat mehr. Der Fernsprecher hat ausgedient.

Kumm rin – kannst ruutkieken!

Wer mag da auf unseren Tisch runterblicken?

Über Gerrit Hoss

Gerrit Hoss

Ich bin Musiker, Autor diverser Magazine und Radio-Journalist beim NDR. Ich mag es bunt und wohl intoniert. Deshalb klingt der Norden für mich am schönsten.

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