Augenweiden auf Kiel

An diesem Wochenende beginnt in Flensburg eine Regattaserie für klassische Yachten, die besonders sehenswert ist. Von der offenen Jolle über Folkeboote und Drachen bis hin zu ausgewachsenen Kreuzeryachten und den legendären 12ern geht alles an den Start, was schwimmt, segelt, schön und klassisch ist.

Die „Robbe & Berking Classics“ haben sich einen festen Platz auf dem Kalender der europäischen Klassikerregatten erobert. Hunderte von Seglern mit ihren historischen Yachten nehmen auch in diesem Jahr Kurs auf die Flensburger Förde, um gemeinsam zu feiern, zu fachsimpeln und um auch eine freundschaftliche Wettfahrt gegeneinander zu segeln – man möchte doch schon einmal sehen, wer hier das schnellste Boot hat.

Dabei ist die traditionelle „Robbe & Berking Classics“ in diesem Jahr nur der Auftakt zu einer Klassikerserie, wie es sie so vermutlich noch nicht gegeben hat. Denn die besteht in diesem Jahr aus drei Teilen: Neben den Classics wird, ebenfalls am Wochenende, noch um den „Robbe & Berking Sterling Cup“ gesegelt, in Yachten der so genannten „Meter Klassen“: 5.5er, 6er und 12er. Dann liegen die klassischen Yachten im Flensburger Hafen an der Hafenspitze.

Die Yachten der internationalen Meter-Klassen, darunter auch die legendären „12er“, mit denen viele Jahrzehnte lang der America’s Cup gesegelt wurde, entstanden nach einer Vermessungsformel, die 1906 in London entwickelt wurde. Damals traf sich dort ein internationales Komitee unter dem Vorsitz von König George V, um endlich eine einheitliche, europaweite Regattaformel zu finden, nach der die Yachten aus den unterschiedlichen Nationen fair gegeneinander segeln konnte – noch bei den olympischen Segelregatten von 1900 hatte es schwere Differenzen gegeben, weil die Regatten nach der englischen Formel ausgetragen wurden, wobei die Yachten, die nach der deutschen oder französischen Formel entworfen worden waren, klar benachteiligt waren. Zunächst gab es die Klassen 6-m-R, 8-m-R und 12-m-R, die 5.5er wurden erst später eingeführt. Die Bezeichnung „acht Meter“ oder 12 Meter“ hat dabei nichts mit der tatsächlichen Länge des Bootes zu tun – ein typischer „8er“ ist rund 15 Meter, ein „12er“ über 20 Meter lang. Während die 8-m-R Yachten schon bald die bevorzugten Spielzeuge der gekrönten Häupter und, nur etwas später, berühmter Familien wie Rothschild oder erfolgreicher Industriekapitäne wie Krupp waren, erlebten die 12er ihre Blütezeit in den 50er Jahren, als sie zur America’s Cup Klasse wurden: eine Ära, die erst Ende der 80er Jahre endete.

Richtig spannend wird es dann am Sonntag, wenn beim Flensburger Segel Club in Glücksburg die Robbe & Berking Weltmeisterschaft der 6-m-R Yachten beginnt. 34 dieser eleganten Rennyachten segeln dann, bis zum Donnerstag, ihre Wettfahrten um den World Cup Die 6-mR Klasse kennt Revier und Veranstalter bereits von der 2006 hier von Robbe & Berking und dem Flensburger Segel Club ausgetragenen EM; erst 2011 fanden hier die Robbe & Berking Weltmeisterschaften der 8er und 12er statt. Und falls es noch etwas zu perfektionieren gäbe: Unterstützt wird Robbe & Berking, wie schon im vergangenen Jahr, von BMW, die auch wieder eine Flotte ebenso eleganter Limousinen als Shuttle-Service für die Teilnehmer bereit stellen – gesegelt und gefeiert wird nämlich entlang der ganzen Flensburger Wasserkante, zwischen der Hafenspitze im Herzen der Stadt, auf der Robbe & Berking Classics Werft und im Flensburger Segel Club in Glücksburg.

Über Detlef Jens

Detlef Jens

Autor, Journalist, Blattmacher der Zeitschrift "Goose", Macher von literaturboot.de, viele Jahre als Liveaboard unterwegs, lebt mit Familie in Flensburg

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