Der Norddeutsche Knigge. Kapitel 7: Dat erste Mal. Die Alten von Deine neue Flamme!

Also, dat is mal ne ganz kitzelige Angelegenheit. Die Deern, die morgens neben Dir aufwachen tut, sagt Dir auf`n Mal, dat se neben all ihre annern Qualitäten auch noch Eltern hat. Wat `ne Überraschung. Nu soll zu den Spaß mit de Deern auch noch Freude mit sie ihre Alten kommen. Dat is heikel. Vertrau auf die Kuh. Die duckt sich zwar auch weg, aber sie hilft dir trotzdem!

Also mach dir mal lieber vorher ordentlich Gedanken. Wer wird wohl die Tür aufmachen, wenn ihr da Zuhause klingelt? Genau! Dat macht die Frau des Hauses. Frontalangriff! Ihr Blick sagt deutlich: „Wat bist du denn für ein“? Strahl sie man an un lass sie in Deine Augen lesen: „So ein bin ich“! Un denn drückst du ihr den Blumenpott in`n Arm, den du so liebevoll ausgesucht hast. Du wolltest ja wat Grünes inne Hand haben. Wat, dat immer hübsch aussieht vorn Fenster, dat keine Arbeit macht un immer schön an dich erinnert. Dat soll ja auch wat sein, wat nich jeder schenken tut: so`n richtig schönen Kaktus. Da hat man wat für`t Leben. Da is die erstaunt. Dat merkst du daran, dat sie sagt, sie hätte DA gar nicht mit gerechnet. Damit hast du die Aufmerksamkeit vonne Schwiegermama schon mal eingefahrn. Dat is gut so, denn die willste ja auch zuerst knacken. Bei ihr ist der Eingang für den Ausgang vonne ganze Sache. Flörte man tüchtig mit ihr. Dat kommt bei ihr an. Warum? Na, weil sie sich denn jung fühlen tut. Sonst klimpert un plinkert sie ja kein jungen Kerl mehr an. Warum auch? Dat hat na klar Gründe. Da schnacken wir hier aber lieber nich über. Über diese Gründe mußt du einfach mit all die Ruhe, die du in de Knochen hast, rübergucken. Bereite dich also lieber auf diesen echt heißen Flört mit die Dame vor. Dat bist du deine Deern schuldig. Hast ja außerdem auch ausprobiert Zuhause: Mit Stiel flörten. Dat is doch wat, wo du nu mit um kannst! Dat haste ja mit`n Besen geübt! Dat war ja dat einzige wat du hattest, wo `n Stiel an war! Dat bezahlt sich nu aus. Wer schon mal mit`n Besen geübt hat, ist ideal auffe Schwiegermutter eingestellt. Die soll ja mit de Besen verwandt sein, oder so. Nu steht sie da wie Miss Vergnügt. Fang man mit`n Schnacken an. Sag wat Persönliches. Dat mögen Frauen am liebsten. Die reden gern über sich un ihre Probleme. Zeich ihr, dat du da Verstand für hast und frag doch mal einfach so:“ Na? Hatten sie dat auch immer so warm als sie inne Wechseljahre waren? Zum Glück sind die ja lange vorbei, nä?“ Wat nu? Aus Miss Vergnügt wird missvergnügt? Denk dir da nix bei. Denn is die wohl noch voll drinne inne Wechseljahre. Da kippt die Stimmung nu mal leicht. Nu seid ihr ja auch zum Glück schon anne Stubentür. Tu man so, als wenn du gar nich merkst, dat da immer so`n Stöhnen raus zu hören is. So „uuhhh“ un „aaahhh“ un so. Alle Menschen sind ja anners un du bist ja tolerant – un nu vor allem ganz sonnerlich neugierig. Die Erklärung für die absonnerlichen Geräusche is aber einfach. Vaddern sitzt vor´n Fernseher un kuckt Tennis. Er freut sich aber, dat du da bist un fragt gleich: „Na, junger Mann, mögen Sie auch Tennis?“ Denn sach man die Wahrheit. Sach man einfach: „Nö.“ Dat macht dem gar nix. Männer mögen dat ja gern direkt. Darum sagt er auch fröhlich: „Freut mich“! Un macht die Glotze lauter. Nu sitzt ihr da zu viert un hört euch dat Stöhnen mal ´n büschen zusammen an. Nehm man `n Keks wenn du Langeweile krichst. Dat hat Schiegermuddi dir ja angeboten. Tunk den man in Kaffee ein. Un wenn sie nu komisch guckt, denn sagst du einfach:“Mit Kaffee sind die nich so dröög!“ Dabei knipst du in sie ihre Richtung ein Auge zu un grinst als so`n ganzen Süssen. Dat sieht denn auch Schwiegervadder. Der merkt na klar gleich, dat du `n ganzen heißen Flörter bist un stellt mit `n Mal doch den Fernseher ganz leise. Ihm is klar, wat du mit Muddern machst, machst du erst recht mit ihm seine Tochter. Dat gibt ihm Grund zum Nachhaken. Denk dir man nich zu viel dabei, wenn er meint: „Meine Tochter is ja noch `ne junge Frau. Is sie dat eigentlich auch in jeedeine Hinsicht? Ich mein, JUNG? FRAU?“ Meinzeit! Dat is ja mal `ne Frage. Du merkst na klar gleich, auf welchen Busch der mit`n Dreschflegel einprügeln tut. Schade, dat er den Fernseher so leise gemacht hat. Sonst hättst dat einfach nich gehört. Aber dat is vielleicht DIE Idee! Grapsch dir die Fernbedienung, stell laut bis auf`n Anschlag un mach interessierte Augen nach die Stöhner hin. Un denn murmel mal leise wieder die Wahrheit: „Dat mit`n Sex nehm ich nich so einfach. Dat soll man lieber mit Leute machen, sie sich damit auskennen un wissen wat sie tun. Nich bange sein um ihre Tochter, die is gut davor!“ Nu grapscht der sich die Fernbedienung zurück, stellt aus und fragt: „Häääää?“ Ach Gott, da hast nich an gedacht wat? Alte Leute werden ja auch mal schwerhörig. Sach dat man noch mal. Diesmal reicht dat auch sinngemäß: „Jo. Ihre Tochter is ja noch so jung un so Frau! Da bin ich richtig gern mit ihr zusammen un teile allens mit ihr! Da gibt dat auch nich ein Tabu!“ Wenn er sich denn in den Sessel zurücklehnt, tief ausatmen tut un sagt:“ Ach so, ich dachte schon, ich hätt mich grad verhört.“ Denn hast du gewonnen. Ihr versteht euch. Mit die kannste alt werden. Zumindest, so lange wie dat gut gehn tut.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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