Post für Gerrit Hoss!

Lieber Gerrit,

gleich vorweg: wenn ich ein Mann wäre, würde ich Dich wahrscheinlich ein bisschen ätzend finden.

Ich meine, das ist das doch. Da kommt so ein Typ mit seiner Gitarre am Anschlag ums Eck und fetzt alles um sich rum vom Hocker – vielleicht sogar inklusive meiner Freundin. Die säße vielleicht neben mir und würde mit roten Wangen und leuchtenden Augen von dem tollen Kerl auf der Bühne schwärmen – von dem Typen, der da so gut aussieht, mit weicher Stimme singen kann und sowieso musikalisch bis hinten gegen ist. Glaub mir, fortan hättest Du wohl keine guten Karten bei mir.

Zum Glück muss ich solche Gedanken nicht haben.

Ich bin ja eine Frau. Eine, der du erzählt hast, dass du gern Leute beobachtest. Du nimmst auf, was die denken, guckst ihnen zu und auch selbst in den Spiegel. Du fragst Dich, wie Du das eigentlich findest, worüber die anderen sich da alle beschweren. Dabei fällt Dir auf, dass Dir das viele Beschweren an sich auf den Geist geht. Egal, worüber es ist. Du fängst also an zu brüten. In Dir entsteht langsam aber sicher ein Lied. Dieser Vorgang kann ein paar Tage dauern. Heraus kommt dann so etwas wie „Sommerregen“. Darin beschreibst Du, dass Regen im Sommer durchaus seine guten Seiten hat – sowie jedes gefühlte Unwetter der Seele auch mal gut tun kann. Sommerregen kann nach langem und überhitzen Dasein eine Wohltat sein. Er kühlt die Seele ab. Er wäscht weg.

Du willst in allem gern das Positive sehen.

Du meinst, wir denken alle zu wenig darüber nach wie gut es uns doch geht. Das merkt man doch, wenn man wach durch die Welt geht. Wenn Du einen Schalter dafür hättest, würdest Du die Mentalität des Jammerns gern abstellen. Wenn der Hebel schwer zu bedienen wäre, würden Dir bestimmt ganz viele gern helfen. Da glaube ich ganz fest dran. So ist das bei Deinen Liedern. Die kommen aus Situationen und aus dem Bauch heraus. Erst lange Zeit später – vielleicht sogar ein Jahr später – merkst Du, dass ein Quantum verschüttetes Erlebnis Dich den Text auch hat schreiben lassen. Du warst beim Texten näher an Dir dran, als Du dachtest – auf alle Fälle nah am Menschen.
Vielleicht ist das der Grund, warum auch Dein neues plattdeutsches Lied vom Sommerregen im Tagesprogramm von Radiosendern gespielt wird. Dann, wenn viele zuhören. Nicht abseits der Haupthörzeiten. Nicht am Rand und mehr oder weniger versteckt. Nein. Du bist mittendrin im Programm. Die Hörer fragen nach Dir. Das ist toll.
Welch Glück, dass ich kein Mann bin, ich würde diesen Typen da auf der Bühne, den meine Freundin vielleicht anschmachtet, wirklich nicht besonders mögen. Da hat der auch noch Erfolg! Der kann sogar Plattdeutsch singen und meine Kleine neben mir findet das toll – obwohl sie die Sprache selbst gar nicht spricht.

Aber ich bin ja weiblich!

Darum kann ich das alles mal so ganz locker und ohne Bauchgrummeln schreiben über Dich – den Musiker, dessen Vorbilder Jimi Hendrix und David Gilmour sind. Was das Plattdeutsche betrifft, da hätte ich noch ein Wörtchen zu sagen. Aber das mache ich nicht in diesem Brief hier an Dich. Das mache ich in einer ganz anderen Rubrik: der Plattdeutschen. Warum? Ich will auch mal! Das musst Du doch verstehen! Es kribbelt mich in den Fingern! Ich will das unbedingt auf Platt schreiben – und das hat hier bei uns auf „Voll der Norden“ ja einen ganz besonderen Platz. Da kommt das hin! Du wirst also noch von mir hören. Bestimmt schon bald.

Bis dahin wünsche ich Dir alles Liebe!
Lass Dich nicht zu oft vom Sommerregen überraschen – zumindest nicht kalt erwischen. Auch wenn der ja eigentlich Gutes bringt.
Tschüss!
Deine Christianne

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

Eine Meinung über “Post für Gerrit Hoss!

  1. Hallo Christianne,
    super! toller Beitrag
    Endlich hat’s mal jemand auf den Punkt und in die Medien gebracht!
    😉
    LG
    Monika

    Monika Stender | | Antworten

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