Der Norddeutsche Knigge – Kapitel 3: Schnacksack

Also dat is so ne Sache mit die Schnacksäcke. Schnacksack sein is nich gut für dich. Jedenfalls nich in’n hohen Norden. Aber sei man nich bange. Die nette Kuh von nebenan zieht das mal eben vons Eis.

Bei uns in`n Norden kommst du gut an, wenn du nich so viel rumsabbelst. Is ja auch klar. Wer will schon ein um sich haben, der ohne Punkt und Komma schnattert? Der Grad zum Schnacksack sein is schmal. Sehr schmal. Die Titulierung Schnacksack haste schnell an´ne Backe. Aber willste so was da kleben haben? Nee, nä? Dat is einfach kein empfehlenswertes Lebenskonzept. Weil: du nervst die annern. Wenn dat nu aber schon zu spät is, denn lassen wir dich nich hängen. Wir helfen wir dir da raus. Weiß ja: eima geübt, immer gekonnt!
Wir nehmen nu mal so ein Beispiel. Du gehst nach `n Eisladen hin un willst da beispielsweise einfach mal so`n Eis haben. Un der Eishöker sacht MOIN. Denn geht dat schon mal gut los. Denn machst du dat genau so, wie du dat bei uns in Kapitel 1 gelernt hast! Du sachst auch einfach mal MOIN. Dat is nie verkehrt. Un denn guckst du den Eismann an. Einfach so. Un der guckt zurück. Einfach so. Un wenn der den Kopp so`n büschen schief in Richtung Nacken zieht, dat Kinn nach vorne recken tut, die Augenbrauen nach`n Haaransatz zieht un dabei die Augen so gediegen aufreißt, denn weißt du ganz genau: der will wissen, was du von ihn willst.
So! Un nu biste an der Stelle, wo du nich auf ihn reinfallen darfst. Wenn du nu sachst: MÖNSCH IS DAT HEIß HEUTE, DA KANN MAN MAL RICHTICH SO`N SCHÖNES EIS VERTRAGEN, AN`N BESTEN KALT. MEINE MUDDI HAT DAT FRÜHER IMMER SELBST GEMACHT, ABER DAT HIER SIEHT AUCH GUT AUS…. un so weiter… un so weiter…denn haste schon verloren. Denn biste der Schnacksack vor`n Herren!
Du machst dat anners! Du guckst genau wie er zurück und sachst allerhöchstens TSCHÄ. Dat is die Norddeutsche Form von TJA. Un denn guckst du einfach stur in die Eispötte rein. Denn muss ihm schon klar sein wat du willst. Kannst da noch `n kluges Gesicht bei machen, denn siehst du da sogar noch intelligent bei aus. Dat würd nu auch gut passen! Dat is nu `n ganzen wichtigen Moment! Dat is schon so richtig wichtige Püschologie! Du hast nu den Eismann in ´ne Ecke gedrängelt. Nu muß der raus mit der Sprache! Nu machst du dat mit ihn genauso, wie du dat bein Autofahren mit die Kupplung machst: Immer schön langsam mit Gefühl kommen lassen! Wenn der heute noch Geld verdienen will, denn muss er nu einfach fragen: „BIDDE?“ Un denn sachst du bloß: „`N EIS“! Dat is schon meist `n büschen viel, weil eigentlich is dat ja klar. Aber man is ja höflich un deswegen sacht man dat doch. Un `n büschen Unterhaltung schadet ja auch nich. Dat is der Moment, wo du anfängst den Eismann zu quälen. Dat macht nix. Dat kann der ab. Nu muss der nämlich anfangen. Un nu legst du den Kopp so`n büschen schief, nickst ein paar mal anerkennend, ziehst dabei de Mundwinkel nach unten, kneifst ein Auge zu und plinkerst ihn an. Nu merkt der Eismann, dat er keine Schangs hat. Er muss wat sagen, sonst geht kein Eis über`n Tresen. Nu hast du gewonnen. Er wird zum Schnacksack un du bist fein raus! Er sacht denn nämlich: NA? VANILJE? SCHOKOLADE? ODER ERDBEER? An die Stelle antwortest du nur mit JO! Die drei Kugeln haste denn schon mal weg. Schmeckt ja auch gut, die Mischung. Wenn dich der Eismann nu immer noch mit Fragezeichen in die Augen anguckt, denn guckst du einfach mit Fragezeichen in die Augen zurück. Darfst aber nich zucken dabei! Wat is, wenn du nu doch zucken tust? Ganz einfach: so wirst du nie Norddeutscher der Herzen! Nee, du wartest un zwingst ihn zum reden. ER will ja DEIN Geld un nich umgekehrt. Soll er da man `n büschen wat für tun. Er fängt also wieder von alleine an: MIT SAHNE? MIT SOßE? MIT BUNTE STREUSSELS? Denn musst du aufpassen un wieder an der richtigen Stelle JO sagen. Du hast ihn ausreden lassen? Nu krichst du alles auf die Kugeln raufgematscht? Du machst aber gar keine bunten Streusel? Denn ess die man trotzdem schön auf! Eigentlich schmecken die ja doch. Un ´n büschen Strafe muss ja auch sein. Du bist einfach noch nich so weit und hast noch nich genau genuch aufgepasst. Denn war die Stelle von dein JO noch nich die richtige! Da hilft nur: üben, üben, üben! Nu man guten Appetit! Leg ihn man dat Geld auf `n Tresen un geh wech. Kannst noch SCHÜSS sagen. Dat is denn wieder höflich. Dat willste ja auch sein: höflich.
Bei uns in`n Norden heißt dat ja: Wie man in den Wald reinruft, so haut er raus. Wenn du dat SO machst biste KEIN Schnacksack und denn haun die Bäume dich auch nich tot.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

3 Meinungen über “Der Norddeutsche Knigge – Kapitel 3: Schnacksack

  1. Als Nordeutsche – Kieler Sprott – in die Welt gezogen und ausgerechnet in der Karnevalsstadt Köln gelandet, habe ich mit sehr großem Vergnügen Christianne Nöltings wundervolle Schnacksack-Lehrstunde genossen! Vielen Dank! Liebe Grüße, Hanna-Laura

    Hanna-Laura | | Antworten
    1. Christianne Nölting

      Immer gern geschehen :-)))

      Christianne Nölting | | Antworten
  2. Jo (nu ut’n wilden Westen) d;-)}

    Frank | | Antworten

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