Alte Baustoffe in neuem Glanz

Die stilgerechte Renovierung eines alten Hauses ist meist nicht einfach. Energetisch soll es auf dem neusten Stand sein und auch sonst allen heutigen Standards entsprechen oder einfach erweitert werden. Das geht meist mit einem Eingriff ins Mauerwerk einher. Das kann leicht unschön aussehen. Altes Baumaterial kann die Lösung sein. Das fügt sich in vorhandene alte Bausubstanz weniger sichtbar ein. Mathias Jürgensen hat mit seinen antiken Baustoffen schon oft helfen können.

Mathias Jürgensen sortiert und verwahrt die alten Schätze.

Bauer werden, das kam für Mathias Jürgensen nicht in Frage. Den Hof seiner Familie wollte er anders nutzen. Das war ihm immer klar, auch wenn er anfangs noch nicht wußte wie. Die Lösung dieses Problems fand er im Gespräch mit einem Landwirt. Während seines Architekturstudiums hat sich Mathias Jürgensen auf dem Bau Geld dazu verdient. Bei solchen Arbeiten bot ihm ein Bauer eine alte Scheune an: „Wenn du die haben willst, kannst du sie dir abbauen“. Der damalige Architekturstudent zögerte nicht lange. Der Schweinestall auf dem eigenen Hof stand leer. Da konnte die Scheune locker gestapelt werden. Er baute ab, lagerte ein und guckte, was passierte. Erst später wurde ihm klar, dass alte Baustoffe ein Markt sind. Der elterliche Bauernhof hatte damit seine neue Bestimmung.

Schon vor 150 Jahren wohl genährt.

Seitdem erlebt der Architekt aus Kalleby in der Landschaft Angeln immer wieder kleine Überraschungen. Ziegel waren seit jeher Massenware und mussten zügig produziert werden. Da konnte es im Eifer des Gefechts passieren, dass Nagetiere in die ungebrannte Ware fielen und ihren Abdruck für die Ewigkeit hinterließen. So fand Mathias Jürgensen auch die kleine Maus – wunderbar erhalten – sogar mit Schwanz.

Katzenpfoten waren in Hauseingängen gern gesehen.

Auch Rechnungen und Jahreszahlen wurden in die ungebrannten Steine geritzt. Papier war Mangelware. Die Mauersteine lagen herum. Beliebt waren Katzenpfoten im Stein. Die wurden um den Hauseingang herum verbaut und sollten dort Glück garantieren.
Die meisten Häuser, die Mathias Jürgensen abbaut, sind um die 100 Jahre alt. Das älteste stammte allerdings aus dem Jahr 1700.

Ziegel ist nicht gleich Ziegel.

Kleine Ziegeleien gab es vor 150 Jahren überall auf dem Lande. Jede arbeitete ein wenig anders. Regional war man sich zumindest einigermaßen einig. So bevorzugte man in Nordfriesland Steine, die 20 Zentimeter lang und 5 Zentimeter hoch waren. In Angeln hatten sie eher ein Maß von 23 X 5,5 Zentimetern und in Lübeck 28 X 8.
Trotz dieser Unterschiede klappt es erstaunlich oft, dass Kunden „ihren“ Stein bei Mathias Jürgensen finden. Zu Spitzenzeiten hat er schon bis zu 100.000 Ziegel auf dem Hof gehabt. Für ihn können es nie genug sein. Aber Häuser bestehen nicht allein aus Mauerstein. Auch Fenster und Türen fanden ihren Weg zu ihm.

Der sorgfältiger Ausbau ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Neugebrauch.

Wenn Mathias Jürgensen zu einem alten Gebäude gerufen wird, tut es ihm schon manchmal leid, wenn es einfach „entsorgt“ werden soll. Wenn das Haus jedoch völlig kaputt ist, kann er aber mit dem Abbau leben. Für ihn ist dann Hauptsache, dass das alte Gebäude nicht im Brecher und auf der Deponie landet. Baut er es ab, bleibt zumindest ein Teil erhalten und wird wiederverwertet. So kann er Häusern und Ställen zu einem zweiten oder gar dritten Leben verhelfen.

Ich schenke dir ein Schloss… aufgepasst, wenn das in Norddeutschland jemand sagt…

Der 43 Jahre alte Architekt sammelt mittlerweile alles, was aus alten Gebäuden stammt. Oft wird er gerufen, wenn ein Haus entkernt werden soll. Auch dann bringt er kleine Kostbarkeiten auf seinen Hof. Das können Holzdielen, Gebälk oder Türen sein. Viele ehemalige Räucherkammertüren fanden so ihren Weg zu ihm – genauso die alte Kerkertür von einem Gutshof.

Wer sich nicht benahm, kam ins Loch!

Es gibt viele Schätze, die Mathias Jürgensen gern geborgen hat. Besonders klopft sein Herz, wenn er vor alten Ziegelplatten steht – oder vor Ölander Platten. Bei solchen Fundstücken erinnert er sich auch Jahre später genau woher sie stammen.

Zu vielen seiner Fundstücke hat Mathias Jürgensen eine Geschichte zu erzählen.

10 Jahre handelt Mathias Jürgensen mit alten Baustoffen. Mund-zu-Mundpropaganda hat ihm die ersten Kunden gebracht. Mittlerweile wird er auch in für ihn entlegenere Ecken gerufen und baut ab. Zur Freude seiner Kunden ist sein Angebot entsprechend groß. So können Reetdachkaten und andere Landschätze stilecht zu neuem Glanz kommen.

Alte Stallfenster – neue Zierstücke

Mehr Informationen: www.hbmj.de

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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