Die Kautschpotäito guckt: Dauerwerbesendung

Weißt du was? Ich muss das einfach mal zugeben. Ich liebe Dauerwerbesendungen. Besonders toll finde ich sie, wenn ich gemütlich mit einer Tüte Chips auf dem Sofa flezen und gucken kann. So wie jetzt gerade. Also ehrlich, den Typen, der Chips erfunden hat, könnte ich immer noch zum Dank den Hintern küssen.

Ich persönlich stehe ja auf Old-Style. Einfach leckere Chips mit Paprika. Allerdings sind die mit Sour- Cream und Onion auch nicht übel. Und dann die mit Currywurst-Geschmack! Die sind auch oberlecker! Hoffentlich kommt Mama nicht rein. Wenn die mich hier mit der Tüte sieht, gibt es wieder einen endlos langen und langweiligen Text über Kalorien – besonders die, die sofort auf die Figur wandern. Oh, ich glaube, ich muss meine Mutter erst einmal vor dir entschuldigen. Die hat nämlich von nix ne Ahnung – aber davon viel. Das ist echt peinlich. Zum Glück merkt sie da selbst nicht so viel von. Nur ich muss eben darunter leiden. Ist auch nicht so dolle, aber sei es drum. Manchmal hat sie ja auch gute Momente. Letztens zum Beispiel als wir zusammen shoppen waren – ohne Papa natürlich. Der hätte uns mit seiner Spießigkeit bestimmt das eine oder andere gute Schnäppchen verhagelt.

Sie hat doch Vorteile – wenn auch wenige…

Solche Sachen gehen mit Mama alleine einfach besser. Und nun habe ich endlich das neue T-Shirt auf das ich schon so lange scharf bin. Sieht echt stark aus – an mir sowieso. Das hat Mama auch gleich gecheckt – auf wundersame Weise.
Aber gerade als ich „man, ist die heute gut drauf“ dachte, fiel sie in ihren alten Trott zurück. Das war bei Douglas. Du glaubst nicht, was für einen genialen Lidschatten die da haben. Mama hat den erst gar nicht gesehen – zumindest tat sie so. Und als ich den haben wollte, meinte sie ich hätte wohl ́ne Meise unter dem Pony. Da hatte ich schon den Sampler geschnappt und die Farbe aufgetragen. Ich weiß schließlich, wie das geht. Das habe ich tausend Mal im Internet gesehen und auch schon mit meiner Freundin Mimi ausprobiert. Wir wissen wirklich was Phase ist. Aber Mama? Was sagt die? „Kind, das sieht billig aus.“ BILLIG!!! Kannst du dir das vorstellen? Und hat die gar nicht den Preis auf der Dose gesehen? Das Zeug ist alles, aber nicht billig! Und dann meinte Mama noch, dass ich zu jung wäre. Dabei bin ich doch schon fast elf und werde dann ja auch zwölf. Alle in meiner Klasse schminken sich. Nur ich darf das nicht. Na ja. Einer in der Gruppe muss ja immer der Looser sein. In diesem Fall bin das eben ich. Weißt du wie sich das anfühlt?

Ich hab`doch recht! Sie hat doch keine Ahnung!

Und Papa, der Trottel steht Mama noch bei. Aber ich glaube, dass der mich eigentlich versteht. Der will bloß seine Ruhe vor Mama haben und darum quatscht er ihr alles nach. Der Verräter.

Oh nee, nicht das auch noch!

Meine Chips sind alle. So ́n Mist! Jetzt ist die Tüte leer. Ich entsorge die mal lieber unter dem Sofa. Sonst sieht Mama das noch. Habe heute keine Lust auf das Gequassel. Das kannst du doch verstehen, oder? Ich habe heute Mittag auch wenig gegessen. Ich mag nun mal keine Hühnersuppe. Aber das kann sich hier Zuhause ja keiner merken. Oder Mama kümmert sich einfach nicht darum. Das habe ich noch nicht richtig rausgefunden. Sie weiß, dass ich viel lieber Spagetti Bolognese mag. Warum gibt es eigentlich keine Chips mit Spagetti-Bolognese-Geschmack? Das wäre doch mal was! Aber auf so coole Ideen kommen Erwachsene ja nicht. Mama sowieso nicht.

Ach ja, Dauerwerbesendungen haben nur Vorteile!

Man kann glotzen und gleichzeitig nachdenken. Da kommt echt was bei raus.
Guck Dir das an! Die haben da eine Küchenmaschine, mit der man sämtliches Gemüse von jetzt auf nun in kleine Würfel verwandeln kann. Das ist doch mal was! Also nicht, dass ich Gemüse essen würde. Aber die Maschine ist cool. Und billig ist die auch. Guck mal! Oben stecken die fast ́nen ganzen Kohlkopf ein und unten kommt schon fast fertig Sauerkraut raus. Die Maschine brauchen wir. So viel steht fest. Das ist ja `n Ding! Die ist auch sofort wieder sauber. Die muss praktisch nur in die Nähe eines Wasserhahns kommen und ist schon wieder blitzblank und wie poliert. Die brauchen wir. Ich rufe mal Mama.

„Mama, die haben da eine echt super Küchenmaschine. Die raspelt und hobelt alles Gemüse dieser Welt in gefühlten drei Sekunden. Soll ich die bestellen? Da muss man nur anrufen. Geht ganz einfach. Gibst du mir mal schnell deine Kreditkarte und die Nummer?

Wir müssen uns beeilen! Es gibt nur noch 24 Stück.

Oha, Mama! Nun sind es nur noch 21 Stück. Oje, nur noch 17 Dinger da. Mamaaaaa, mach zuhuuu!!“

Hörst du das? Was ruft sie zurück? Ich kann die kaufen, wenn ich das geschnibbelte Gemüse auch esse? Das ist mal wieder typisch Mama. Ich sag dir doch, die spinnt.
Ich versuche es noch mal. So blöd kann die doch gar nicht sein!
„Du magst doch gern Gemüse, Mama und du sagst doch auch immer, dass das Zeug so supergesund ist. Nun will ich dir Gutes tun und du willst mal wieder nicht!“
Äh, was sagt sie da? Sie will die Maschine nicht? Schließlich will sie nicht zum Kaninchen mutieren?
Wenn ich mir das so richtig überlege, ist DAS überhaupt DIE Idee! Da sind noch 7 Maschinen. Ich bestelle die jetzt einfach.
Schließlich warte ich schon lange darauf: auf den Tag, an dem Mama ein Kaninchen wird. Die sind wenigstens süß und nerven nicht.

Über Christianne Nölting

Christianne Nölting

Im Norden geboren. Im Norden ausgebildet. Dem Norden tief verbunden. Voll der Norden in Person!

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